Fahrdienstleiter hatte falsche Taste gedrückt

Nach Zugunglück bei Bad Aibling: Neue Funkgeräte für die Bahn?

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Bei dem Unglück in Bayern starben elf Menschen.

Bad Aibling - Elf Menschen starben Anfang Februar bei dem Zugunglück nahe Bad Aibling. Nun gibt es neue Erkenntnisse: Offenbar geht das Bahnunglück auf eine tragische Verkettung mehrerer Irrtümer zurück.

Das schwere Zugunglück im bayerischen Bad Aibling ist nach Angaben der Landesregierung auf einen doppelten Irrtum des Fahrdienstleiters zurückzuführen. „Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Bild-Zeitung (Dienstag; online Montag). Nachdem der Mann die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben hatte, sei ihm noch ein weiterer verhängnisvoller Fehler unterlaufen.

„Der Fahrdienstleiter hat, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen“, schilderte Herrmann weiter. „Er hat - möglicherweise aus Aufregung - jedoch die falsche Taste gedrückt. Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät.“

Herrmann: Funkspruch hätte Unglück womöglich verhindert

Herrmann zog ein bitteres Fazit: „Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können. Das ist ganz besonders tragisch.“ Nun laufe es auf eine Anklage des Fahrdienstleiters wegen fahrlässiger Tötung hinaus. „Es sind mittlerweile auch alle technischen Defekte ausgeschlossen: Die Züge waren technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Das Funknetz hat funktioniert, ebenso alle Stellwerk-Funktionen.“

"Warnmeldung" an die Deutsche Bahn

Aufgrund der Ermittlungen, die Innenminister Joachim Herrmann jetzt publik machte, haben Polizei und Staatsanwaltschaft an die Deutsche Bahn AG eine "Warnmeldung" geschickt. Der Konzern wurde vergangenen Dienstag (22. März) über eine potenzielle Fehlerquelle "bei der Abwicklung des Funkverkehrs" informiert. Dies erklärte der Traunsteiner Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese am heutigen Vormittag. Offenbar ist die Bedienung der Funkgeräte, wie der Aiblinger Fall zeige, missverständlich. Eine "Fehlbedienung" sei nicht ausgeschlossen. Wie die Deutsche Bahn reagiert - ob sie nun alle bundesweit eingesetzten Funkgeräte überprüft oder gar austauscht - ist bisher nicht bekannt.

Zugunglück bei Bad Aibling: Bilder von der Unfallstelle

Von dem Zug-Wracks sind nur noch die beiden ineinander verkeilten Teile übrig. Die hinteren intakten Waggons wurden abgeschleppt.
Von dem Zug-Wracks sind nur noch die beiden ineinander verkeilten Teile übrig. Die hinteren intakten Waggons wurden abgeschleppt. © dpa
Blumen und Kerzen vor dem Rathaus in Bad Aibling.
Blumen und Kerzen am Bahnhof in Bad Aibling. © dpa
Blumen und Kerzen vor dem Rathaus in Bad Aibling.
Blumen und Kerzen vor dem Rathaus in Bad Aibling. © dpa
Einsatzkräfte stehen am Morgen des 11.02.2016 an der Unglücksstelle der Züge in Bad Aibling (Bayern).
Einsatzkräfte stehen am Morgen des 11.02.2016 an der Unglücksstelle der Züge in Bad Aibling (Bayern). © dpa
Einsatzkräfte stehen am Morgen des 11.02.2016 an der Unglücksstelle der Züge in Bad Aibling (Bayern).
Einsatzkräfte stehen am Morgen des 11.02.2016 an der Unglücksstelle der Züge in Bad Aibling (Bayern). © dpa
Bergungsarbeiten im Flutlicht in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag.
Bergungsarbeiten im Flutlicht in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. © dpa
Die Züge waren auf der eingleisigen Strecke frontal eineinander gerast. Foto: Peter Kneffel
Die Züge waren auf der eingleisigen Strecke frontal eineinander gerast. © dpa
Heruntergelassene Jalousien versperren am Bahnhof in Bad Aibling den Blick in das Fahrdienstleiter-Stellwerk. Foto: Uwe Lein
Heruntergelassene Jalousien versperren am Bahnhof in Bad Aibling den Blick in das Fahrdienstleiter-Stellwerk. © dpa
Blick auf die Unfallstelle: Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren. Foto: Sven Hoppe
Blick auf die Unfallstelle: Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren. © dpa
Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass die Tragödie im oberbayerischen Bad Aibling durch menschliches Versagen ausgelöst worden war. Foto: Sven Hoppe
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. © dpa
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. Foto: Sven Hoppe
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache. © dpa
Polizisten und Helfer der Feuerwehr an der Unfallstelle in der Nähe von Bad Aibling. Foto: Sven Hoppe
Polizisten und Helfer der Feuerwehr an der Unfallstelle in der Nähe von Bad Aibling. © dpa
Rettungskräfte an der Unfallstelle. Foto: Peter Kneffel
Rettungskräfte an der Unfallstelle. © dpa
Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke: Rettungskräfte an der Unfallstelle in der Nähe von Bad Aibling. Foto: Uwe Lein
Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke: Rettungskräfte an der Unfallstelle in der Nähe von Bad Aibling. © dpa
Ein Luftretter seilt sich an der Unfallstelle aus einem Rettungshubschrauber ab. Foto: Uwe Lein
Ein Luftretter seilt sich an der Unfallstelle aus einem Rettungshubschrauber ab. © dpa

Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim waren am 9. Februar elf Menschen ums Leben gekommen und 85 Passagiere teils lebensgefährlich verletzt worden. Das Bahnunglück gilt als eines der schwersten in der Geschichte der Bundesrepublik.

dpa/dpa

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