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Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen: Waren Schäden an den Gleisen verantwortlich?

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Von: Dirk Walter

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Nach dem Zugunglück
Ein Archivbild von dem verunglückten Zug nahe Garmisch-Partenkirchen. © Peter Kneffel/dpa

Waren Schäden an den Gleisen mitverantwortlich für das tödliche Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen? Ein vertrauliches Dokument legt das nahe.

München/Berlin – Es mehren sich die Hinweise, dass sogenannte Oberbauschäden für das Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen am 3. Juni mit fünf Toten ursächlich sind.

Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen: Dokument spricht von „vorgeschädigten Betonschwellen“

Ein jetzt bekannt gewordener Bericht des Bundesverkehrsministeriums an den Verkehrsausschuss des Bundestags vom 21. Juni über das Unglück erwähnt eine Schienenverschiebung und „zum Teil vorgeschädigten Betonschwellen“. Dies hat dem Papier zufolge, das unserer Zeitung vorliegt, zu einem „Verlust der Spurführung“ geführt.

Weiter heißt es, es seien „hintereinanderliegende Schwellenbeschädigungen und eine Verschiebung der Schiene“ vorgefunden worden, die zur Entgleisung führten. „Ursache dieser Verschiebung sind horizontale Brüche in den Betonschwellen.“ Hierdurch habe sich die Schiene in der Linkskurve unter der Last nach außen verschieben können.

„Es ist deshalb davon auszugehen, dass die durch die Zugfahrt auf den Oberbau einwirkenden Kräfte – insbesondere durch auch zum Teil vorgeschädigte Betonschwellen – nicht mehr aufgenommen werden konnten. In der Folge kam es vermutlich zu einer unzulässigen Spurerweiterung und dem Verlust der Spurführung.“

Zum Alter der Schwellen und wer sie verbaut hat, gibt es keine Hinweise. Es müssten noch Instandhaltungsunterlagen und Nachweise zu eventuell festgestellten Schwellenfehlern analysiert werden, heißt es in dem Papier. Die Deutsche Bahn äußerte sich nicht.

Neues Dokument zum Unfallhergang - Textauszug im Original:

„Anhand der derzeitigen Erkenntnisse erfolgte die Entgleisung des Zuges bei der Fahrt durch einen Linksbogen, wobei ableitbar ist, dass zunächst ein Rad des Zuges nach innen entgleist ist und hierbei Kleineisen und Schwellen beschädigt hat. Auf der gegenüberliegenden, bogenäußeren Schiene sind im unmittelbaren Bereich der Entgleisungsstelle keinerlei auf eine Entgleisung hindeutenden Anfahrspuren von Rädern vorhanden, obwohl mehrere Auflagerbereiche der Schiene zerstört und beidseitig keine Verspannung mehr vorhanden war. Zudem wurden hintereinanderliegende Schwellenbeschädigungen und eine Verschiebung der Schiene vorgefunden.

Ursache dieser Verschiebung sind horizontale Brüche in den Betonschwellen. Hierdurch konnte sich die Schiene unter Last nach bogenaußen verschieben und die vorgefundenen Schäden verursachen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die durch die Zugfahrt auf den Oberbau einwirkenden Kräfte – insbesondere durch auch zum Teil vorgeschädigte Betonschwellen – nicht mehr aufgenommen werden konnten. In der Folge kam es vermutlich zu einer unzulässigen Spurerweiterung und dem Verlust der Spurführung. Der Untersuchungsschwerpunkt der BEU liegt in den Bereichen der Fahrzeuge sowie der Infrastruktur.

Die Untersuchungen an den Fahrzeugen verfolgen insbesondere das Ziel, ggf. zusätzliche Erkenntnisse zu den auf den Oberbau einwirkenden Kräfte zu gewinnen. Im Bereich der Infrastruktur wurden Messungen zur Beurteilung des Zustands des Oberbaus zum Unfallzeitpunkt vom zuständigen Eisenbahninfrastrukturunternehmen eingefordert. Zusätzlich müssen Instandhaltungsunterlagen und Nachweise bspw. zu möglicherweise festgestellten Schwellenfehlern analysiert und bewertet werden.“

Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen: Vier Frauen und ein 13-Jähriger starben

Am 3. Juni war ein Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Vier Frauen und ein 13-Jähriger starben. Fast 70 Menschen wurden laut Polizei verletzt, 16 davon schwer und 52 leicht.

Wir berichteten bereits am 28. Juni von Hinweisen, dass Schäden am Bahndamm zu dem Unglück geführt haben könnten.

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