Polizistenmorde: Gesuchte Frau stellt sich

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Mathias Vieth und Michélle K.: Gibt es eine Verbindung zwischen den Morden an ihnen?

Augsburg - Eine Polizistin wird 2007 in Heilbronn erschossen. 2011 wird ein Polizist in Augsburg getötet, und zwei Bankräuber erschießen sich in Eisenach. Eine Frau, die mit ihnen zusammen war, stellt sich nun der Polizei.

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Der Heilbronner Polizistinnenmord von 2007 zieht immer weitere Kreise: Eine dringend gesuchte 36-jährige Frau hat sich amDienstag den Behörden in Jena gestellt. Sie soll mit zwei mutmaßlichen Bankräubern zusammen gewesen sein, bei denen die Dienstwaffen der ermordeten 22-jährigen Polizistin und ihres Kollegen gefunden worden waren. Die Bankräuber hatten sich nach einem Überfall in Eisenach am Freitag selbst getötet.

dpa

Für die Ermittler wird der Fall immer rätselhafter: Sie prüfen auch, ob es bei alledem einen Zusammenhang zu einem anderen Polizistenmord Ende Oktober in Augsburg gibt. Die Polizei geht zudem bisher unbestätigte Berichten über Verbindungen in die Neonazi-Szene nach.

Die im Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Heilbronn gesuchte Frau habe sich gestellt und sei festgenommen worden, gab die Polizei in Thüringen bekannt. Sie werde nun nach Zwickau gebracht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen der Nachrichtenagentur dpa.

Frau soll mit mutmaßlichen Bankräubern zusammengewohnt haben

Dem Radiosender Antenne Thüringen zufolge hatte sich die Frau mit ihrem Anwalt bei der Polizei in Jena gemeldet. Die 36-Jährige, die mehrere Decknamen habe, soll mit den zwei mutmaßlichen Bankräubern zusammengewohnt haben. Die gemeinsame Wohnung in Zwickau wurde kurz nach den Vorfällen in Eisenach durch eine Explosion zerstört. Die Frau, die dort unter dem Namen Susann gelebt haben soll, soll das Gebäude kurz vor der Detonation verlassen haben.

Die Behörden in Bayern untersuchen, ob es einen Zusammenhang zu dem Polizistenmord Ende Oktober in Augsburg gibt. “Das ist eine Spur von vielen, die derzeit geprüft und bewertet wird“, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Online-Bericht der “Augsburger Allgemeinen“. Bislang seien zwischen beiden Polizistenmorden jedoch keine “Schnittstellen“ erkennbar, sagte der Sprecher in Augsburg. Man stehe mit den Kollegen in Thüringen in engem Kontakt.

Die DNA-Spuren der Bankräuber sollen mit den im Augsburger Siebentischwald gefundenen Spuren verglichen werden. Der 41 Jahre alte Augsburger Hauptkommissar war in der Nacht zum 28. Oktober nach einer Routinekontrolle von einem Unbekannten erschossen worden.

Verbindungen zur Neonazi-Szene?

Spekuliert wird, die Täter könnten eine Verbindung in die Neonazi-Szene gehabt haben. Die beiden Bankräuber im Alter von 34 und 38 Jahren und die Frau sollen nach Darstellung der Thüringer Linke-Fraktion und laut Medienberichten bereits als Bombenbauer in Erscheinung getreten sein. Bundesweit werde nach einer mutmaßlichen Bombenbauerin aus Jena gesucht, zitierte der MDR die Zwickauer Polizei. Staatsanwaltschaftssprecherin Antje Dietsch wies dies jedoch zurück: “Das sind Spekulationen, die die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zwickau nicht hergeben.“

Der Thüringer Linke-Fraktion zufolge wurden die beiden Toten und die 36-Jährige bereits 1998 polizeilich gesucht. Nach der Aushebung einer Bombenwerkstatt in Jena seien die drei geflüchtet und spurlos verschwunden, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Martina Renner. Das Landeskriminalamt soll die Männer Medienberichten zufolge fünf Monate lang observiert haben. Das Verfahren wurde 2003 wegen Verjährung eingestellt. Ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums wollte sich zur Identität der mutmaßlichen Bankräuber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht weiter äußern.

Die in Heilbronn ermordete Polizistin stammte aus dem südthüringischen Oberweißbach. Ob es einen Zusammenhang zwischen ihrer Herkunft und dem Fundort der Waffen gibt, ist bislang unklar.

Der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger hält den Heilbronner Polizistenmordfall für aufgeklärt. Er gehe davon aus, dass der Mord im April 2007 von der Gruppe um die tot aufgefundenen mutmaßlichen Bankräuber aus Thüringen sowie einer 36-Jährigen aus Sachsen begangen wurde, sagte Pflieger am Dienstag dem Südwestrundfunk (SWR). Dafür sprächen die Gesamtumstände, vor allem der Besitz der Dienstwaffen der Polizisten: “Solche Waffen gibt man nicht weiter“, sagte Pflieger. Das Motiv vermutet er im Bereich der Beschaffungskriminalität.

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