Bevölkerungszahl gestiegen

Zuwanderung bringt Deutschland mehr Einwohner

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In Deutschland sterben mehr Menschen, als geboren werden. Dennoch gab es 2012 einen Bevölkerungszuwachs.

Wiesbaden - In der Bundesrepublik lebten Ende 2012 mehr Menschen als noch Ende 2011. Das liegt aber nicht an einer hohen Geburtenrate - sondern an der Zuwanderung.

Deutschland hat in wirtschaftlich guten Zeiten um eine Großstadt zugelegt. Trotz des enormen Geburtendefizits ist die Bevölkerung 2012 um rund 196.000 Menschen gewachsen - mehr Menschen als in Kassel leben und fast so viele wie in Mainz. Sie sind aus anderen Ländern gekommen, so zahlreich wie seit 1995 nicht mehr. Auf 80,5 Millionen stieg die Einwohnerzahl. Profiteure sind allerdings durchweg nur die blühenden Regionen und die Metropolen. Eine Entwicklung, die nach Einschätzung von Experten nicht aufzuhalten ist.

„Der demografische Wandel ist durch Zuzüge überkompensiert worden“, sagt Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Allerdings machten die Zahlen auch deutlich: Wirtschaftlich starke Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg gehörten zu den Gewinnern der Zuzüge, der Osten und das Saarland zu den Verlierern.

Sozialwissenschaftler Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sagt: „Deutschland profitiert von den Zuwanderern, die regionalen Unterschiede werden aber nicht kompensiert.“ Denn: „Die Menschen gehen vor allem dorthin, wo es wirtschaftlich oder kulturell am attraktivsten ist, nach Baden-Württemberg und Bayern sowie in die urbanen Regionen, zum Beispiel Berlin oder Hamburg.“

„Berlin ist der eigentliche Gewinner“, sagt Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Denn der Andrang in die Metropolen sei besonders stark. „Junge Leute gehen nicht in die Gegenden, wo sie eigentlich gebraucht werden, also in die neuen Bundesländer, ins Ruhrgebiet und ins Saarland, sondern dorthin, wo es für sie interessant ist, wo etwas los ist und sie Gleichgesinnte finden.“ Nach Einschätzung des Arbeitsmarktexperten Brückers spiegelt der Sonderfall Berlin aber auch die positive wirtschaftliche Entwicklung der Metropole.

„Migranten gehen stärker in urbane und prosperierende Regionen, dahin wo es Jobs gibt“, sagt Brücker. Dies zeige ihr hoher Anteil etwa in München und Stuttgart, dem Rhein-Main-Gebiet und Hamburg. Der Trend zur Urbanisierung, die Anziehungskraft starker Städte und Bundesländer mit hohem Wirtschaftswachstum lasse sich aber auch am Umzugsverhalten innerhalb Deutschlands ablesen. „Migration beschleunigt diesen Prozess.“

„Je stärker das Bevölkerungswachstum von Migration abhängt, desto stärker wachsen die prosperierenden Ballungszentren“, sagt Brücker. Diese Entwicklung sei nicht dramatisch, werde mit der Beschleunigung des demografischen Wandels aber weiter wachsen. „Wir werden damit leben müssen, dass die Ungleichgewichte in Deutschland zunehmen.“ Zwar wirkten die hohen Mieten in den Ballungszentren dem Zuzug auch entgegen, „das heißt aber nicht, dass ein Landkreis in Schleswig-Holstein davon profitiert“.

„Die unterschiedliche demografische Entwicklung in Ost und West, Land und Stadt, kann man nicht verhindern. Man kann nur das Auseinanderklaffen der Regionen mildern“, sagt auch Kröhnert. Ein Mittel sei der „kontrollierte Rückbau“ in Regionen, die von Abwanderung betroffen sind. Investitionen sollten gezielt in Mittelstädte und attraktive Orte fließen. „Einzelne Dörfer werden aber möglicherweise verschwinden.“

Bevölkerungsforscher Scholz betont, die Herausforderungen der alternden Gesellschaft in Deutschland blieben trotz des starken Zuzugs junger Menschen aus dem Ausland bestehen. „Das Geburtendefizit ist nach wie vor groß und wird nicht abgebaut werden.“ Die Länder der Zuwanderer seien vom gleichen demografischen Wandel betroffen wie Deutschland. Und wenn sich ihre wirtschaftliche Lage verbessere, kämen die Zuwanderer nicht mehr.

Die 16 größten Ängste der Deutschen

66 Prozent der Deutschen haben Angst vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. © dpa
65 Prozent fürchten sich vor einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland. © dpa
63 von 100 Deutschen befürchten höhere Lebenshaltungskosten. © dpa
Vor Naturkatastrophen wie einem Erdbeben wie hier in Indonesien haben 56 Prozent aller Deutschen Angst. © dpa
Keiner will im Alter ein Pflegefall sein. Deshalb haben 54 Prozent Angst davor, auf die Hilfe Fremder angewiesen zu sein. © dpa
Überforderte Politiker machen 53 Prozent der Deutschen Angst. © dpa
Schwere Erkrkankungen sind für 49 Prozent der Deutschen ein Grund zum Fürchten. © dpa
48 Prozent haben Angst, selbst arbeitslos zu werden. © ap
Terrorismus wie hier beim Attentat auf Staatsanwalt Buback verursacht bei 46 Prozent der Deutschen Angst. © dpa
37 Prozent der Deutschen haben Angst, dass sie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten können. © dpa
Ebenfalls 37 Prozent befürchten Spannungen durch Ausländer. © dpa
Vor einer möglichen Drogensucht der eigenen Kinder haben 34 Prozent der Deutschen Angst. © dpa
Ein Krieg mit deutscher Beteiligung ist für 31 Prozent ein Angstfaktor. © dpa
30 Prozent der Befragten befürchten, im Alter einsam zu sein. © dpa
Straftaten machen 24 Prozent der Deutschen Angst. © dpa
Trotz hoher Scheidungsraten in Deutschland haben nur 16 Prozent der Deutschen Angst davor, dass ihre Partnerschaft zerbrechen könnte. © dpa

dpa

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