Tod durch die Dienstwaffe

Zwei Polizisten erschossen sich am Ostermontag

Frankfurt/Wiesbaden. Zwei Polizisten haben sich am Ostermontag in Wiesbaden und Frankfurt das Leben genommen. Sie sollen sich mit der Dienstwaffe erschossen haben.

Das berichtete heute die Bild-Zeitung. Die Taten stünden aber in keinem Zusammenhang, teilte das Polizeipräsidium Frankfurt heute mit. Das Präsidium sah sich nach der Berichterstattung wegen unpassender Kommentare in sozialen Netzwerken dazu veranlasst, öffentlich Stellung zu nehmen.

Nach dem Bericht der Bild-Zeitung soll es sich bei einem der Beamten um einen 56-jährigen Polizeioberkommissar handeln. Er beendete sein Leben aber nicht, wie die Bild berichtete, in seinem Büro in Wiesbaden, sondern im privaten Bereich. Das teilte die Hessische Polizeiakademie auf HNA-Anfrage mit. Bei der Akademie war der 56-Jährige beschäftigt, galt als beliebter Polizeiausbilder.

Der andere Beamte, der sich im Frankfurter Polizeipräsidium am Ostermontag das Leben nahm, war 40 Jahre alt und arbeitete als Ermittler für Haftthemen. Wie die Information durchsickerte, ist noch unklar.

Nach der Veröffentlichung gab es innerhalb kurzer Zeit viele Reaktionen mit Kommentaren in den sozialen Netzwerken. Zu diesen sagte die Polizei, sie seien in tiefster Weise verletzend für die Angehörigen und Kollegen gewesen. Man sei in Gedanken bei den Angehörigen.

Doch die zentrale Frage bleibt: Warum nahmen sich die zwei Polizisten das Leben? Die Gründe liegen im familiären Bereich und haben keinen dienstlichen Bezug, heißt es in der Stellungnahme. Die Polizei habe weder „etwas zu vertuschen“ noch „steckt mehr dahinter“.

Zu einer möglicherweise als zu hoch empfundenen Arbeitsbelastung als Ursache wollten Polizeigewerkschaft, Innenministerium und die Polizeipräsidien mit Verweis auf die Stellungnahme nichts sagen.

Zwischen 2004 und 2014 gab es 33 Suizide und 12 Suizidversuche bei der Polizei Hessen, wie Sandra Breyer, Sprecherin der Polizeiakademie auf Anfrage mitteilte. Die Polizei zähle nicht zu einer besonders gefährdeten Berufsgruppe.

In Hessen starben nach den jüngsten Zahlen aus 2013 insgesamt 809 Menschen durch Suizid. Das geht aus der Datenbank des Statistischen Landesamtes hervor. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 47 Fälle.  

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, nicht über (geplante) Suizide zu berichten, es sei denn, sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen.

Wenn Sie sich betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt haben.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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