Nach Erdbeben: Supermärkte in Tokio sind leer geräumt - Augenzeuge berichtet

Tokio/Kassel. Zwei Tage nach dem Erdbeben: Im Nordosten Japans tobt der Kampf zwischen Leben und Tod – die Hauptstadt Tokio hingegen hat das Erdbeben relativ gut überstanden.

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„Ich würde nicht sagen, dass es keine Schäden gab, aber funktioniert fast alles wieder normal“, schreibt mein Cousin  Koichiro Furukawa zwei Tage nach dem Jahrhunderterdbeben.  Am Freitag hatte er das Erdbeben im Großraum Tokio im 12. Stock seines Büros beim Autobauer Nissan miterlebt.

Die Tokioter seien nicht in Panik, befürchteten jedoch eine vorübergehende Nahrungsmittelknappheit. Das zeigte sich auch, als Koichiro am Samstag im Supermarkt einkaufen wollte. Er stand vor  leer gefegten Regalen: „Fleisch, Milch, Wasser, Brot, Eier… alles war weg“, erzählt er. Auch Wasser und Gasflaschen werden  gehamstert. Dabei  beziehe Tokio, seine Nahrungslieferungen  nicht aus dem Nordosten Japans, dem Erdbebengebiet.

Koichiro Furukawa am Freitag nach dem Erdbeben in seinem Büro im 12. Stock

Trotzdem befürchten die Bewohner, dass es knapp werden könnte: „Schließlich funktionieren noch nicht alle Transportwege wieder komplett und wir erwarten Nachbeben, die sich über einen ganzen Monat verteilen werden“, sagt Koichiro. Die Beben könnten dann auch wieder die Stärke von Freitag erreichen.

Wie in Deutschland flimmern auch in Japan die Nachrichten über den Atomunfall  und die Naturkatastrophe ohne Pause über den Fernsehbildschirm. Dennoch ist in Tokio wieder ein Stück Normalität zurückgekehrt.  Von dem Atomunfall und die Angst vor einem Supergau spricht Koichiro am Sonntagmittag nicht. 

Mein Cousin ist am Sonntag wie geplant zur Hochzeit von Freunden ins südliche  Ôsaka gefahren.  

Von Heide Haruyo Gentner

Die Autorin wurde als Tochter einer Japanerin und eines Schwaben in Aalen (Baden-Württemberg) geboren. Die Mutter Haruyo Tsutsumi-Gentner kommt aus der Stadt Fukuôka, die auf der südlichen Halbinsel Kyûshû liegt. Einige ihrer Nichten und Neffen studieren, arbeiten und leben in Tokio. Heide Gentner arbeitet in der HNA-Online-Redaktion.

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