Auch Korsika und Monaco betroffen

Sardinien: "Cleopatra" tötet 16 Menschen

+
Sardinien unter Wasser: Unwetter "Cleopatra" riss 18 Menschen in den Tod

Cagliari - Das Unwetter „Cleopatra“ ist über Sardinien gefegt und hat zahlreiche Menschen in den Tod gerissen. Die Schäden sind noch gar nicht absehbar. Viele fragen sich einmal mehr: Ist es der Klimawandel?

Die Fluten haben alles mitgerissen: Autos, Bäume, Brücken - und halbe Häuser. Die Unwetterfront „Cleopatra“ stürzte Sardinien über Nacht ins Chaos. Die Zahl der Toten stieg fast stündlich und lag am Dienstagabend bei mindestens 16.

Hunderte mussten ihre Wohnungen verlassen und sind erst einmal ohne Obdach. „Wir sind dabei, zu schauen, wo wir sie in der Nacht unterbringen“, sagte der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, hörbar angespannt, in einem Live-Gespräch mit dem TV-Sender Rai News. „Die Situation ist leider wirklich dramatisch.“ Er sprach von einem „Jahrtausendhochwasser“ und menschlichen Tragödien. „In diesem Moment gibt es vor allem einen immensen Schmerz.“

Durch die Straßen der besonders betroffenen Stadt Olbia im Norden der Insel ergossen sich schmutzigbraune Sturzbäche, darin schwamm Hausrat. Mancherorts wurden Autos komplett überspült, Bilder zeigten Feuerwehrmänner, die bis zur Brust im Wasser standen. Straßen wurden unpassierbar, Brücken stürzten ein - und das ganze Ausmaß der Schäden ist noch gar nicht absehbar.

"Cleopatra" war zwar auch auf Sardiniens Nachbarinsel Korsika spürbar, allerdings bleib es bei heftige Böen und Starkregen. Ähnlich erging es Monaco, wo das Unwetter den Nationalfeiertag durcheinander wirbelte. Fürst Albert und seine Charlène blickten zum großen Fest im kleinen Fürstentum am Mittelmeer auf verlassene Straßen.

Wo das Wasser abfloss, blieben Trümmer

Italien steht einmal mehr vor einer Herkulesaufgabe. Ministerpräsident Enrico Letta sprach von einer „nationalen Tragödie“ und einem „dramatischen Ereignis“. Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus und stellte 20 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung. Der Chef des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, reiste am frühen Morgen in das Katastrophengebiet, um die Arbeiten der zu hunderten eingesetzten Helfer zu koordinieren.

Wo das Wasser abfloss, blieben Trümmer: Rai News zeigte Bilder eines Firmengebäudes, von dem die Flut eine ganze Ecke weggerissen hatte. Trümmer, darüber wenigstens kurz strahlende Sonne und blauer Himmel - ein gespenstisches Bild. Zumeist setzten die Rettungskräfte ihre Arbeit aber bei neuen Regenfällen fort.

Italienische Reporter sprachen davon, dass sich das Klima den Tropen anzunähern scheine - und freilich drängt sich einmal mehr die Frage auf: Ist es der Klimawandel, wird es immer mehr solche verheerenden Unwetter geben?

Tod und Zerstörung: Zyklon "Cleopatra" wütet auf Sardinien

Tod und Zerstörung: Zyklone "Cleopatra" wütet auf Sardinien

„Das aktuelle Ereignis kann nicht als direkte Folge des Klimawandels angesehen werden“, sagt der Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT in Karlsruhe. „Der Verdacht liegt aber nahe, dass das Potenzial für heftige Wetterereignisse mit Starkregen in einem wärmeren Klima zunimmt.“ Allerdings kämen immer mehrere Faktoren zusammen. Etwa habe sich der Starkregen einige Stunden lang über demselben Gebiet gehalten, und auch die Strömungsverhältnisse in den oberen Schichten der Atmosphäre spielten eine wichtige Rolle.

„Mit Sicherheit fiel vielerorts innerhalb weniger Stunden mehr Regen als sonst im ganzen Monat, etwa in Olbia, möglicherweise lokal sogar ein Vielfaches der üblichen Monatsmenge“, sagt Mühr. In Olbia wurden 93 Liter Regen auf den Quadratmeter binnen zwölf Stunden gemessen. „Es ist davon auszugehen, dass im Bergland gebietsweise sogar mehrere hundert Liter pro Quadratmeter niedergegangen sind.“ Normalerweise beträgt der Niederschlag auf Sardinien im gesamten November durchschnittlich 76 Liter pro Quadratmeter.

Noch gibt es keine Entwarnung für die Menschen auf Sardinien: Im gesamten zentralen Mittelmeerraum soll es auch in den nächsten Tagen viel Regen mit der Gefahr von Überschwemmungen geben. „Das Tiefdruckgebiet bleibt bestehen und regeneriert sich immer wieder“, sagte Mühr. „Auch für Sardinien können weitere kräftige Regenfälle nicht ausgeschlossen werden.“

dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.