Alternative Fahrzeug-Antriebe für morgen

2020: eine Million E-Autos im Einsatz

Auf dem Podium: Hans-Helmut Becker (VW), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Dirk Fräger und Jürgen Stumpf (VW). Fotos: DPA/Nh

Baunatal. Acht Pfund oder 9,15 Euro pro Tag müssen Autofahrer seit 2003 zahlen, wenn sie in die Londoner Innenstadt wollen. Ziel: Die Umwelt vom Verkehr entlasten. Mailand und Singapur folgten.

Wer in diese Städte fährt setzt auf alternative Antriebe wie Gas, Elektro oder Hybrid. „Umweltprobleme zwingen die Konzerne, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren“, sagte VW-Werkleiter Hans-Helmut Becker anlässlich der Podiumsdiskussion der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung vor rund 200 Zuhörern in Baunatal. Dabei liegt die Menge des CO2-Ausstoßes auf der Straße bei nur 0,5 Prozent jenes Anteils, den Menschen beeinflussen können. Doch es reicht, um das Klima zu beeinflussen Das Kasseler VW-Werk verfüge über Stellschrauben, um den Wert zu senken etwa Leichtbau, Hybrid- und Elektroantrieb. Zu glauben, dass man nur den Schalter umlegen muss, damit Elektroautos vom Band rollen, sei zu einfach gedacht. „Die Autos müssen den Sicherheitsstandards entsprechen“, ergänzte VW-Betriebsratschef Jürgen Stumpf. Ein Pannen-Desaster könne sich kein Hersteller leisten.

2009 kamen weltweit 50 Millionen Fahrzeuge auf den Markt. Forschungsinstitute erwarten bis 2020, dass über alle Marken ein bis zwei Prozent dieser Fahrzeuge mit einem E-Antrieb ausgestattet sein. „Diese Größenordnung ist zu wenig ambitioniert“, sagt der hessische Landesvorsitzende der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel. Die Region habe mit SMA und VW sowie Zulieferer wie Fräger (Immenhausen, Kreis Kassel) und der Uni Kassel, die alle an diesem Thema arbeiten, eine enorme Chance. „Entscheidend ist, ob ein Austausch stattfindet oder ob man sich als Konkurrent betrachtet.“ VW und Fräger testen derzeit ihre Fahrzeuge mit Elektroantrieb.

Krise als Chance

„Wir kooperieren mit Hochschulen, grundsätzlich funktioniert es nur mit Partnern“, bestätigte Geschäftsführer Dirk Fräger. Er habe zur Elektromobilität ein Zuliefer-Netzwerk in Thüringen auf den Weg gebracht. Generell stoßen die von der Autokrise gebeutelten Zulieferer an Grenzen. Fräger machte keinen Hehl daraus, dass er seine Standorte nur zu 50 Prozent ausgelastet habe. Auch deshalb setze er auf Erneuerbare Energien Technologie wie E-Mobilität und richte seine Gruppe mit 280 festen Mit- plus Leiharbeitern neu aus.

Elektromobilität sei eine Chance, so Stumpf. Egal welche Innovation man anstoße, „ohne Belegschaft geht es nicht. Die Potenziale liegen in den Köpfen der Mitarbeiter.“ Persönlich habe er den Eindruck, dass VW zu „zurückhaltend“ mit E-Mobilität umgehe. Es sei ein Zukunftsthema, aber man müsse sich von Konzepten verabschieden, die 600 Kilometer Reichweite voraussetzen.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.