VW-Probleme warten auf Lösung

Wer trägt die Schuld am Abgas-Skandal?

Volkswagen ist ein Weltkonzern: zwölf Marken, fast 600.000 Mitarbeiter - aber auch elf Millionen manipulierte Dieselfahrzeuge und nur eine Frage: Wer trägt die Schuld am Abgas-Skandal?

Selbst sieben Monate nach dessen Bekanntwerden haben die Experten noch keinen Schuldigen für das Stickoxid-Debakel benennen können.

Dabei ist es noch keine 18 Monate her, dass die Betrugs-Software ein Update bekam, um besser zwischen Test- und Normalsituation zu unterscheiden. Der Vorstand will davon nichts gewusst oder erst später erfahren haben und bleibt bei seiner Erklärung: „Die Entscheidung, die Motorsteuerungssoftware zu verändern, wurde vielmehr von VW-Mitarbeitern unterhalb der Vorstandsebene auf nachgeordneten Arbeitsebenen des Bereichs Aggregate-Entwicklung von VW getroffen.“ Aber auf den nachgeordneten Arbeitsebenen, kommen die Ermittler nicht weiter. Diese Woche könnte es für VW haarig werden, denn am Donnerstag läuft eine Frist von US-Bundesrichter Charles Breyer ab. Er fordert eine Antwort über eine Einigung mit den US-Umweltbehörden.

Personalie Bort 

Einer hat jetzt vorgebaut: VW-Markenchef Herbert Diess, der den Diesel-Skandal in Europa in den Griff bekommen muss, hat nun einen eigenen Krisenmanager ernannt. Der bisherige Leiter der VW-Qualitätssicherung, Manfred Bort, soll die Skandal-Bewältigung in Europa beschleunigen. Bort hält damit die Fäden für die 8,5 Millionen Fahrzeuge in der Hand. Die Wolfsburger würden die Personalie gern unter der Decke halten - keine Pressemitteilung, kein Foto. Dabei dürfte klar sein, dass die Zeitpläne für den Rückruf von 8,5 Millionen Autos in Europa kaum noch zu halten sind.

Bisher kam nur ein Großteil der 8500 Amarok-Pickups in die Werkstätten. Reparaturen am Passat kann VW nicht machen, weil die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts fehlt. Trotz Nachbesserungen gelingt es offensichtlich nicht, die Grenzwerte ohne Sprit-Mehrverbrauch einzuhalten. Denn die Eigenschaften des Autos sollten sich mit dem Update der Motorsoftware nicht ändern. Selbst ein leicht höherer Verbrauch könnte als nicht zulässig gelten, weil eine Null-Toleranz-Linie gilt.

Aufklärer Garcia Sanz 

Doch warum Bort? Im Dezember wurde Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz mit der Aufarbeitung des Skandals betraut.

Garcia Sanz ist der dienstälteste Vorstand bei VW, er kümmert sich zusätzlich zum Job als Chefeinkäufer um die „Aufarbeitung der Diesel-Thematik“. Er verhandelt mit der US-Umweltbehörde EPA über die Entschädigungen der Kunden. Das dürfte den ganzen Mann fordern, da bleibt wenig Luft für die 8,5-Millionen Kunden in Europa. VW-Markenchef Diess läuft quasi die Zeit davon.

Kontrollfrage 

Vielleicht liegt das Problem auch woanders: Wäre für den Abgasbetrug nur ein Bauteil nötig gewesen, hätte es den Skandal wohl nicht gegeben. Denn die Hardware geht durch zu viele Hände: Konstruktion, Budget, Einkauf. Software ist eine andere Welt, bei der alte Prüfverfahren nicht ausreichen, um Entwickler zu kontrollieren. Dies zu erkennen ist auch Aufgabe des Vorstandes und damit von Martin Winterkorn, dem nachgesagt wird, jede Schraube zu kennen.

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