Minister Dobrindt schickt Kommission nach Wolfsburg

Abgasaffäre bei VW: Umwelthilfe warnt vor PR-Gag

Will VW-Tests: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Foto: dpa

Nachdem in den USA aufgeflogen ist, dass VW und Audi mit Motorensoftware Abgastests manipuliert haben, kündigt Verkehrsminister Alexander Dobrindt Konsequenzen in Deutschland an.

Er habe „das Kraftfahrtbundesamt angewiesen, bei den VW-Dieselmodellen umgehend strenge spezifische Nachprüfungen durch unabhängige Gutachter zu veranlassen“, sagte Dobrindt (CSU) der Bild-Zeitung.

Solche Nachprüfungen fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) seit Jahren, nicht nur für VW. Dobrindt und Umweltministerin Barbara Hendricks hätten eigene Kontrollbehörden, Kraftfahrtbundes- und Umweltbundesamt. Beide sollten endlich ihre Arbeit tun, aber richtig, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch gestern. Sonst bleibe Dobrindts Ansage „ein PR-Gag“. Autoabgase dürften nicht mehr nur auf dem Rollenprüfstand, sondern müssten auch im Straßenfahrbetrieb gemessen werden. Dort lägen Werte im Schnitt 700 Prozent höher, werde Betrug schnell klar.

Von „Abgas-Betrügerei“ sprach auch Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes. Da würden nicht nur Kunden getäuscht, sondern auch „die Luft deutlich schlechter. Das gefährdet die Gesundheit.“ Krautzberger weiter: „In Deutschland lagen 2014 immerhin 62 Prozent der städtischen verkehrsnahen Messstellen über dem EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2).“ Dieselmotoren seien Hauptverursacher. Die UBA-Chefin forderte „zumindest für Neuwagen Grenz- und Prüfwerte, die garantieren, dass die Emissionen in der Realität eingehalten werden und nicht nur im Labor“.

Was Krautzberger gestern nicht sagte: Weil NO2-Grenzwerte seit Jahren überschritten werden, hat die EU-Kommission im Juni der Bundesregierung ein Vertragsverletzungsverfahren angdroht. Zuvor hatte Berlin Brüssel wissen lassen, unter 33 Ballungsräumen, die den NO2-Grenzwert nicht einhalten, seien 23, die das vor 2020 nicht schafften - darunter Kassel.

Minister Dobrindt schickt noch diese Woche eine Kommission nach Wolfsburg – zu Gesprächen und Aktensichtung bei VW. Derweil kursieren unter Experten längst Autotypen anderer Hersteller, deren Abgaswerte auch dort bald für Erklärungsbedarf sorgen könnten. DUH-Chef Resch: „Die zittern überall schon.“

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