Abkassieren per E-Mail: Warnung vor gefälschten Abmahnungen

Kassel. Viele Verbraucher bekommen in diesen Tagen eine unangenehme E-Mail: Eine Kanzlei „Olaf Kaltbrenner“ beschuldigt sie darin, illegal Musikstücke aus dem Internet heruntergeladen zu haben und verlangt 100 Euro Schadenersatz, um juristische Schritte zu vermeiden.

Doch die Abmahnung wegen der Verletzung des Urheberrechts ist eine Fälschung, warnt die Verbraucherzentrale Hessen und rät: „Getrost ignorieren.“

? Wie erkennt man, dass die Abmahnung gefälscht ist?

!Die E-Mail, mit der die Kanzlei Kaltbrenner vorgibt, sie handle im Auftrag von Sony Music, beginnt mit einem unpersönlichen „guten Tag“. Der geforderte Schadenersatz von 100 Euro soll über den anonymen Internetdienst „UKash“ gezahlt werden. Eine Vollmacht des Mandanten, also Sony, fehlt. Das laut E-Mail von der Staatsanwaltschaft Stuttgart eingeleitete Strafverfahren mit dem Aktenzeichen 240 Js 419/04 existiert nicht. „Da erlaubt sich jemand einen dummen Scherz“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

? Wie sieht eine echte Abmahnung aus?

!Eine seriöse Abmahnung kommt immer als Brief, sagt Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen. In dem seitenlangen Schreiben wird der konkrete Verstoß gegen das Urheberrecht detailliert beschrieben. Den Abmahnungen ist auch eine vorformulierte Unterlassungserklärung beigefügt. Mit regulären Filesharing-Abmahnungen, so der Fachbegriff, werde auch nicht das Herunterladen (Download) von Musik oder Filmen geahndet, sondern das gleichzeitige Heraufladen (Upload). Das geschieht bei Tauschbörsen, so genannten Peer-to-Peer-Netzwerken.

? Wie soll man sich verhalten, wenn man eine seriöse Abmahnung erhalten hat?

!Sie muss sehr ernst genommen werden, sagt Peter Lassek, Referent für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Hessen. Fristen seien oft knapp gesetzt, und häufig gehe es um hohe Streitwerte. Deshalb solle man sich an einen Anwalt wenden. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, die Unterlassungserklärung nicht sofort zu unterschreiben, sondern schriftlich eine Fristverlängerung zu beantragen.

? Welche Kosten kommen auf Verbraucher zu, die illegal Musik heruntergeladen haben?

!Schadenersatz und Anwaltsgebühren richten sich nach Anzahl der illegal angebotenen oder heruntergeladenen Musikstücke. Bei Bagatellverstößen hat der Gesetzgeber laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Anwaltsgebühren für eine Abmahnung auf 100 Euro begrenzt. Laut einer Studie zum Abmahnwesen belaufen sich die durchschnittlichen Forderungen auf rund 1000 Euro.

Von Barbara Will

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