Martini-Brauerei gibt Weißbiersorte auf – gleichzeitig steigt die Bierproduktion

Abschied vom Kristallklar

Ob naturtrüb oder hell: Der Bierbrauer Martini hat zehn Sorten im Programm. Das „Weissbier kristallklar“ ist aber aus dem Handel verschwunden - die Nachfrage war zu gering. Foto: Malmus/nh

Kassel / Einbeck. Die Einbecker Brauhaus AG verlagert Arbeit zu ihrer Kasseler Tochter Martini. Der Grund: Die Einbecker produzieren seit einigen Monaten am niedersächsischen Stammsitz im Auftrag des türkischen Efes-Konzerns das „Efes Pilsener“. Über die Menge schweigt sich das Unternehmen aus. Anadolou Efes mit einer Jahreskapazität von 35 Millionen Hektolitern Bier gehört aber zu den fünf größten Brauereien Europas.

Geringe Menge

Gleichzeitig hat sich Martini von einer seiner zehn Sorten verabschiedet: Das „Weissier kristallklar“ ist aus dem Handel verschwunden. Brancheninformationen, wonach auch „Martini Weissbier dunkel“ und „Martini Naturtrüb“ aufgegeben werden sollen, bestätigte Bernhard Gödde, Vorstand der Einbecker Brauhaus AG, nicht: Aktuell gebe es keine derartige Entscheidung. Von allen drei Sorten wird vergleichsweise wenig verkauft.

Beim Kristallweizen spricht Gödde von einer „absolut überschaubaren Menge“, bei deren Herstellung Kosten und Ertrag in keinem gesunden Verhältnis mehr stünden. Genaue Zahlen nennt der Vorstand nicht, aber nach Schätzungen dürfte es sich um weniger als 1000 Hektoliter handeln. Insgesamt stellte die Einbecker Brauhaus AG 2009 knapp 800 000 Hektoliter (hl) Bier her, von denen 590 000 auf die Einbecker, Kasseler und Göttinger Marken entfallen. Außerdem braut das Unternehmen das Billig-Bier Nörten-Hardenberger, einen Teil davon auch in Kassel.

Dass die mehr als 40 Martini-Beschäftigten mehr Arbeit haben und deshalb zwei neue Mitarbeiter hinzukamen, liegt auch an einer Investition, die den kleinen Martini-Flaschen die Reise nach Niedersachsen erspart. Denn bisher konnten die Kasseler ihr Bier zwar in Halb- nicht aber in die Drittelliter-Flaschen abfüllen. Deshalb wurde ein Teil des nordhessischen Bräus in Tankwagen nach Einbeck transportiert, dort auf Flaschen gezogen und wieder nach Nordhessen gebracht. Nun wurde die Kasseler Abfüllanlage für knapp 100 000 Euro nachgerüstet.

Insgesamt sollen bei Martini in diesem Jahr 240 000 hl Bier abgefüllt werden, 20 000 hl mehr als im Vorjahr. Die Produktion soll um 50 000 hl auf 260 000 bis 280 000 Hektoliter steigen. Gearbeitet wird im Zweischicht-Betrieb.

Im vergangenen Jahr hatte die Einbecker Brauhaus AG mit 184 Mitarbeitern einen Verlust von 192 000 Euro eingefahren. 2010 erwartet das Unternehmen die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Von Barbara Will

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