Abwesenheitspfleger für Erben kann für Verluste haftbar sein

+
Ein Abwesenheitspfleger hatte durch den Verkauf eines Nachlassgrundstücks einen Wertverlust verursacht. Das OLG Brandenburg bekräftigte den Schadensersatzanspruch des Erben. Foto: Bernd Settnik

Brandenburg (dpa/tmn) - Ein Abwesenheitspfleger entscheidet für den Erben, was zu tun ist, darf aber den abwesenden Erben nicht unnötig vor vollendete Tatsachen setzen. Vielmehr darf er nur tätig werden, wenn es notwendig wird, um Schaden zu verhindern - und auch dann muss er das beste Ergebnis für den abwesenden Erben erreichen.

Manchmal kann sich jedoch nach Jahren herausstellen, dass das, was damals gut schien, aus heutiger Sicht nicht genügend ist. Dann könne der Abwesenheitspfleger hierfür haften, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) und verweist auf ein Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts (OLG - AZ.: 3 U 156/11).

In dem verhandelten Fall konnten nach dem Tod eines Grundstückseigentümers zwar die Erben, zunächst nicht aber deren Aufenthaltsort ermittelt werden. Das Gericht setzte einen Abwesenheitspfleger zum Verkauf eines zum Nachlass gehörenden Grundstücks ein. Im Mai 2001 gab er die Fläche zum damaligen Verkehrswert für umgerechnet rund 78 000 Euro ab. Allerdings erfuhr die Fläche danach eine Wertsteigerung von rund 211 000 Euro. Der inzwischen ermittelte Erbe verlangte nun Schadenersatz.

Zu Recht, entschied das OLG Brandenburg. Der Abwesenheitspfleger darf nur das tun, was zur ordnungsgemäßen Sicherung, Erhaltung und Verwaltung des Erbes erforderlich ist. Er muss versuchen, das Erbe möglichst zu erhalten. Grundstücke darf er nur verkaufen, wenn sie Verluste einfahren oder der Verkaufserlös gebraucht wird, um Schulden des Verstorbenen zu begleichen.

Ist aber das Grundstück wie in diesem Fall verpachtet und bringt - wenn auch nur geringe - Einnahmen, darf der Abwesenheitspfleger das Grundstück nicht verkaufen. Dies gilt selbst dann, wenn das Gericht ihn zu diesem Zweck eingesetzt hat. Denn das entbindet ihn nicht von seiner Pflicht, selbst zu prüfen, was erforderlich ist. Daher hat er die Differenz zum heutigen Wert des Grundstücks zu bezahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.