Deutsche Bank baut Kernkapital aus

Ackermann macht Bank sturmfest

Frankfurt. Die Schuldenkrise verhagelt der Deutschen Bank zwar das Investment-Geschäft, aber der Einbruch fällt nicht so stark aus wie von den Analysten befürchtet.

Vom Vorsteuergewinn von 942 Millionen Euro – die Analysten hatten mit 572 Mio. Euro gerechnet – blieben der Bank im dritten Quartal netto noch 777 Mio. Euro. Vor einem Jahr verbuchte die Bank dort ein Minus von 1,2 Milliarden Euro nach Steuern. Das lag seinerzeit an einer milliardenschweren Sonderabschreibung wegen der Übernahme der Postbank. Im zweiten Quartal dieses Jahres lag der Gewinn bei 1,2 Mrd. Euro.

„Im dritten Quartal war das operative Umfeld so schwierig wie seit dem Jahresende 2008 nicht mehr“, sagte Vorstandschef Josef Ackermann. Schlechte Wirtschaftsaussichten, Turbulenzen an den Finanzmärkten – all dies habe auf das Ergebnis gedrückt. „Zwangsläufig war auch das Geschäft der Deutschen Bank davon betroffen“, ergänzte er.

Genutzt hat Deutschlands größtes Geldinstitut das dritte Quartal, um sich auf eine mögliche Eskalation der Schuldenkrise vorzubereiten und sei nun „besser denn je“ darauf vorbereitet. So wurde die harte Kernkapitalquote von 7,6 auf 10,1 Prozent angehoben. Ende September hielt die Bank Risikoposten in Höhe von 338 Milliarden Euro – entsprechend der Quote sind es 34,13 Mrd. Euro, die die Bank vorhält, um Verpflichtungen gegenüber Gläubigern nachkommen zu können. Die Liquiditätsreserve belaufe sich auf über 180 Milliarden Euro. Auch habe die Bank „uneingeschränkten Zugang“ zu den Finanzmärkten – und offenbar kein Problem sich zu refinanzieren. So sei die Refinanzierung für 2011 bereits Ende September „zu sehr günstigen Konditionen“ abgeschlossen.

Schuldenschnitt kein Problem

Nicht nur über das harte Kernkapital ist die Deutsche Bank offenbar für einen möglichen Schuldenschnitt gut gerüstet. In einer Präsentation vor Analysten hieß es, dass die griechischen Papiere „nur noch mit 46 Prozent des Nominalwerts in den Büchern stehen“. Bei einem Schuldenschnitt von 50 oder gar 60 Prozent würde die Bank demnach kaum Verluste machen, da sie 53 Prozent abgeschrieben hat. Ende Juni belief sich das Griechenland-Risiko auf 1,15 Mrd. Euro. Allein in den vergangen sechs Monaten hat die Deutsche Bank zunächst 115 Mio. Euro und nun weitere 228 Mio. Euro abgeschrieben.

Spurlos ging die Krise am Geldinstitut nicht vorüber. Grund für den Gewinn-Rückgang ist das schwache Investmentbanking: Investoren halten sich zurück, es gibt keine Börsengänge. So verdiente die Sparte nur 70 Mio. Euro. Vor einem Jahr waren es 1,1 Mrd. Euro gewesen. Nun sollen Stellen wegfallen: Zu Höchstzeiten beschäftigte die Sparte 15 800 Menschen, nun soll die Zahl auf 14 000 sinken,

Vor Wochen hatte Ackermann seine ehrgeizigen Ziele angesichts des schwachen Investmentbankings bereits kassiert. Ein Vorsteuerergebnis von zehn Mrd. Euro sei 2011 nicht in Sicht. Bislang hat die Bank 5,7 Mrd. Euro verdient, vor einem Jahr waren es 3,2 Mrd. gewesen.

Der Aktienkurs stieg bis 17.30 Uhr um 0,26 Prozent auf 28,55 Euro. Foto: dpa

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.