Deutsche Bank bereitet sich auf Postbank-Übernahme vor

Ackermann macht Ernst

Frankfurt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zählt wie kaum ein anderer Manager zu den Reizfiguren der Wirtschaft. Am Millionengehalt des Schweizers – zuletzt zuletzt waren es 9,55 Mio. Euro – stoßen sich alljährlich die Massen und sein Siegeszeichen im Mannesmann-Prozess gilt noch immer als Symbol der Arroganz.

Ackermann (62) ist aber auch einer der erfolgreichsten Manager, der es geschafft hat, die größte deutsche Bank bislang besser als seine Konkurrenten durch die Finanzkrise zu steuern. Nun kommt der Reserveoffizier, der an der Elitehochschule St. Gallen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert hat, mit der Übernahme der Postbank seiner Vision vom stärkeren Kundengeschäft ein Stück näher. Es soll neben dem Wertpapier-Geschäft als zweites Standbein die Gewinne der Deutschen Bank stabilisieren.

Seit 2002 arbeitet er an dieser Strategie, nachdem seine Vorgänger die „normalen“ Privatkunden an die Deutsche Bank 24 ausgegliedert und auch verprellt haben.

Trotz notwendiger Wertberichtigungen bei der Postbank in Milliardenhöhe verteidigt Ackermann die Übernahme. Der sich abzeichnende Gesamtpreis von 6,3 Milliarden Euro für eine der führenden Privatkunden-Banken Europas sei „vom strategischen Wert her gesehen außerordentlich attraktiv“.

Zum Handeln getrieben

Ackermann wurde im Heidiland in Mels (Schweiz) geboren. 1996 kommt der Hobbymusiker und Opernfan zur Deutschen Bank, wird binnen kürzester Zeit der oberste Investmentbanker und verantwortet damit jenen Bereich, der dem Konzern jahrelang den Löwenanteil der Gewinne beschert.

Bereits 2000 wird er als künftige Nummer Eins nominiert, im Mai 2002 übernimmt Ackermann, der mit der Finnin Pirkko Mölsä verheiratet und Vater einer Tochter ist, den Chefposten der Deutschen Bank.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Einstieg bei der Postbank macht er nun Ernst mit der Übernahme. Abgezeichnet hatte sie sich bereits vergangene Woche mit der milliardenschweren Kapitalerhöhung. 9,8 Milliarden Euro schwer soll diese sein – Geld, das ihm seine Aktionäre geben sollen. Die Höhe der Summe ist außergewöhnlich.

Dabei werden auf die Postbank-Beteiligung in Höhe von fast 30 Prozent voraussichtlich noch im dritten Quartal Abschreibungen in Höhe von 2,4 Mrd. Euro fällig, schreibt das „Handelsblatt“. Aufgrund früherer Verträge mit der Deutschen Post, die 40 Prozent am Geldhaus hält, muss die Deutsche Bank 2012 einen Anteil von 27,4 Prozent für 45 Euro je Aktie übernehmen.

Speerwerfer Ackermann wird so zum Handeln getrieben: Einerseits sitzen ihm die Alt-Aktionäre im Nacken, andererseits ist der Kurs der Postbank-Aktie niedrig – gestern sackte er um 7,82 Prozent auf 24,92 Euro. Mehr als 25 Euro will Ackermann eh nicht zahlen. Foto: dpa

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.