Axel Springer ist vor Gericht gescheitert 

Bundesgerichtshof erlaubt den Einsatz von Werbeblockern

Adblocker
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Viele Nutzer greifen auf Adblocker zurück, um Werbung auf Internetseiten zu blockieren. Der Axel-Springer-Verlag hat dagegen geklagt. 

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass das Geschäftsmodell der Werbeblocker im Internet zulässig ist. Was spricht grundsätzlich für und gegen Adblocker und welche Alternativen gibt es?

Aktualisiert um 16.38 Uhr. 

Adblocker: Was ist das? 

Ein Werbeblocker oder Adblocker unterdrückt Werbeanzeigen auf Internetseiten im Browser und verhindert, dass diese angezeigt werden. Zum einen gibt es Listen von Drittanbietern, die vorgeben, auf welchen Webseiten Werbung zugelassen oder blockiert wird. 

Nutzer können auch ihre eigenen Filterregeln erstellen. Sie können Webseiten entweder auf die weiße Liste (White List) setzen, um die Werbung auf einer bestimmten Seite zu erlauben. Steht eine Webseite auf der schwarzen Liste (Black List), wird die Werbung dort blockiert. 

Axel Springer sieht dadurch sein Geschäftsmodell gefährdet. Nach mehreren Gerichtsverfahren steht am heutigen Donnerstag die Entscheidung des Bundesgerichtshof bevor. 

Welche Adblocker gibt es? 

Der bisher bekannteste Werbeblocker ist Adblock Plus, ein kommerzieller Adblocker der Kölner Firma Eyeo. Adblock Plus gibt es als Erweiterung für verschiedene Browser, unter anderem für Mozilla Firefox, Google Chrome, Safari und Opera. Das Geschäftsmodell von Eyeo basiert darauf, dass Unternehmen Geld bezahlen, um auf die weiße Liste zu kommen. 

Die kostenlose Erweiterung uBlock Origin, die es beispielsweise für die Browser Firefox, Chrome und Safari gibt, blockiert ebenfalls Werbung. Mit Adblock (nicht zu verwechseln mit Adblock Plus) gibt es einen weiteren nicht-kommerziellen Werbefilter, den es auch als Erweiterung für die gängigen Browser gibt.

Warum hat Axel Springer gegen die Nutzung von Werbeblockern geklagt?

Der Springer-Verlag hält es für rechtswidrig, Werbung auf Webseiten zu blockieren. Das Unternehmen ist nicht bereit, Geld zu zahlen, um auf der weiße Liste eines Adblockers zu landen und bezeichnet diesen Vorgang als "erpressungsähnlich". Hintergrund ist, dass sich viele kostenlose journalistische Online-Angebote ohne Bezahlschranken durch Werbeerlöse finanzieren. Die Webseite bild.de blockiert Nutzer mit aktiviertem Werbeblocker, erst mit deaktiviertem Adblocker lässt sich die Webseite aufrufen. 

Springer unterlag vor dem Landgericht, vor dem Oberlandesgericht erzielte der Verlag einen Teilerfolg. Laut Urteil erfüllt die Firma Eyeo den Tatbestand der aggressiven geschäftlichen Handlung. 

Warum verwenden Nutzer Adblocker? 

Laut einer Umfrage des britischen Umfrageinstituts YouGov nutzten 41 Prozent der Internetnutzer im April 2017 einen Werbeblocker oder eine Anti-Trackingsoftware. Im Juni 2016 waren es 35 Prozent. YouGov hat rund 1000 Personen ab 18 Jahren befragt. Die Gründe, einen Werbeblocker zu nutzen, sind demnach aufdringliche Werbung, Pop-ups, Weiterleitungen auf andere Seiten, automatisch startende Videos mit Ton, Tracking und personalisierte Werbung.

Warum schalten Nutzer den Adblocker aus? 

YouGov stellte in ihrer Umfrage auch die Frage, wofür Nutzer ihren Adblocker ausschalten. Jeweils 22 Prozent gaben an, ihren Werbeblocker für Onlineshops und journalistische Inhalte auszuschalten, 15 Prozent für Videos und 13 Prozent für Online-Spiele. Ein Drittel der Befragten möchte ihren Adblocker grundsätzlich nicht deaktivieren.

Wie können Sie ohne Adblocker sicherer im Internet surfen?

Viele Internetseiten und Online-Shops sammeln persönliche Daten über das Surfverhalten der Nutzer. Wer möchte, dass weniger über ihn oder sie gespeichert wird, kann die Funktion "Privates Surfen" im Browser nutzen. Dabei werden je nach Browser Cookies, Sucheinträge und die Download-Chronik nicht gespeichert. Manuell lassen sich diese Daten auch im normalen Modus nachträglich in den Browser-Einstellungen löschen. 

Mit der Browser-Erweiterung Ghostery können Nutzer überwachen, ob sie auf einer Webseite getrackt werden. Dabei handelt es sich mittlerweile um eine kostenlose Open-Source-Software. Technikaffinere Internetnutzer können auch die Erweiterung NoScript nutzen, die Inhalte einer Webseite und damit auch die Werbung automatisch blockiert. Nutzer müssen die Funktionen jedoch so einstellen, dass nicht die komplette Seite oder bestimmte Funktionen wie Adobe Flash zum Abspielen von Videos blockiert werden.

Auch im sozialen Netzwerk Facebook gibt es verschiedene Möglichkeiten, die eigene Privatsphäre besser zu schützen, wie die zweistufige Authentifizierung einzustellen oder die Einstellungen für Werbeanzeigen anzupassen.  

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