Die Äpfel sind gefallen: Steve Jobs tritt ab

Der Schritt war lange erwartet worden, nun ist er offiziell vollzogen. Apple-intern war er das vermutlich schon länger: Steve Jobs verlässt, gesundheitlich angeschlagen, seinen Job als Chef des US-Unternehmens und übergibt an seine langjährige Nummer 2 Tim Cook.

Was ein deutliches Signal an die Kunden und an die Börse sein sollte, ist trotzdem nicht ganz aufgegangen: Die Apple-Aktie ging zunächst auf Talfahrt. Wie immer, wenn über Jobs Gesundheitszustand und seine Präsenz im Unternehmen spekuliert wurde.

Spätestens seit Jobs 1996 nach einem langen internen Machtkampf an die Apple-Spitze zurück geholt wurde und den Computerkonzern mit dem iMac wieder in die Gewinnzone führte, war der Firmengründer in den Augen der Öffentlichkeit Apple und umgekehrt. Er hatte die Begabung, Wünsche der Kunden vorherzusehen und sie mit innovativen Produkten zu erfüllen. Der iPod, das iPhone und das iPad – sie werden Jobs zugerechnet.

Rücktritt bei Apple: Steve Jobs im Portrait

Steve Jobs hat die Computer verwandelt. Aus einem Utensil weltfremder Stubenhocker wurde dank seiner Hilfe ein unverzichtbarer Bestandteil des modernen Lebens. © ap
Jobs schuf immer schlankere Geräte, kultivierte ein minimalistisches Design und brachte ein Sensationsprodukt nach dem anderen auf den Markt, auch wenn die Wirtschaft und seine Gesundheit kriselten. Aus Apple machte er das wertvollste Technologieunternehmen der Welt. © ap
Jobs wurde am 24. Februar 1955 geboren und wuchs in Kalifornien auf. Sein Studium in Portland brach er nach nur einem Semester ab. “Ich hatte keine Idee, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und keine Idee, wie mir die Universität hätte helfen können, das herauszufinden“, sagte er später. © ap
Jobs kehrte nach Kalifornien zurück und erkannte in einem Computerclub das Potenzial der Rechenmaschinen. In der Garage seiner Eltern schraubten er und sein Schulfreund Steve Wozniak ihre erste Kreation zusammen: den Apple I - ein Computer ohne Gehäuse, Tastatur und Monitor. Im Jahr darauf folgte ihr erstes Massenprodukt, und mit gerade mal 25 Jahren war Jobs 100 Millionen Dollar wert. © ap
Jobs erkannte das Potenzial in den Konzepten anderer Firmen und verbesserte es. Er hat mit Apple weder den Computer erfunden noch Abspielgeräte oder Smartphones. © dpa
Aber Apple schuf daraus Geräte für Menschen, die keine Lust haben, ihre Computer selbst zu programmieren oder technischen Zirkus zu veranstalten, um ihre Geräte am Laufen zu halten. “Wir waren ziemlich schamlos beim Stehlen großer Ideen“, sagte er später. © dpa
1985 wurde Jobs bei Apple aus der Firma gedrängt. Er fühlte sich am Boden zerstört. Doch als Neuanfänger ohne Erfolgsdruck entwickelte er neue Kreativität. 1997, als Apple in Schwierigkeiten steckte, kehrte Jobs zurück. © dpa
Ein Jahr später brachte Apple den iMac mit buntem Plastikgehäuse auf den Markt, zwei Jahre später das iPod, mit dem seine Nutzer 1.000 Songs in die Tasche stecken und abspielen konnten. 2007 erfand Apple mit dem iPhone das mobile © dpa
Telefonieren neu, und drei Jahre später kam das iPad. © dpa
Wenn Jobs seine Neuheiten vorstellte, fast immer in ausgewaschenen Jeans und schwarzem Rollkragenpullover, hingen Millionen Apple-Jünger an seinen Lippen. © dpa
Investoren verfolgten seine Auftritte aber auch, um zu sehen, wie es um Jobs' Gesundheit bestellt war. 2004 gab Jobs bekannt, dass er von Bauchspeicheldrüsenkrebs kuriert worden war. © dpa
2009 sah er sich gezwungen, eine sechsmonatige Auszeit zu nehmen, während der ihm eine neue Leber eingepflanzt wurde. Anfang diesen Jahres musste er zum dritten Mal pausieren. © dpa
Im März stellte er zwar noch die zweite Generation des iPad vor, doch im August gab er den Posten des Vorstandsvorsitzenden auf. Jobs wechselt in den Aufsichtsrat. © dpa

Apples nächstes, noch in diesem Jahr erwartetes Produkt, das iPhone 5, wird nun Tim Cook vorstellen, der bereits seit Januar seinen Freund Jobs vertritt und die Apple-Geschäfte leitet. Dass er dies erfolgreich tut, steht außer Frage. Apple steht wirtschaftlich voll im Saft, ist zur Zeit nach dem Öl-Multi Exxon die Nr. 2 in der Unternehmensweltrangliste.

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- Das Rücktrittsschreiben von Steve Jobs im Wortlaut

Doch wird es Cook auch gelingen, Apple seinen Stempel aufzudrücken? Hat er das nötige Charisma, das die Apple-Fans wie bei Jobs begeistert? Wird andererseits Steve Jobs als neuer Aufsichtsratsvorsitzender damit leben können, dass jetzt ein anderer die Richtung im Hause vorgibt?

Jobs ist jetzt Cooks Oberaufseher, aber die Art und Weise, wie der Übergang vorbereitet und durchgeführt wurde, lässt darauf schließen, dass es interne Machtkämpfe, wie 1985, als Jobs vom eigenen Konzern gefeuert wurde, nicht geben wird.

Insofern hat der Wechsel an der Apple-Spitze eher eine menschliche als eine firmenpolitische Relevanz.

Von Wilhelm Ditzel

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