Kommentar zur Afghanistan-Konferenz: Kabuls Hoffnung

Die von den internationalen Gebern beschlossenen Hilfen für das Land am Hindukush sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, meint HNA-Korrespondent Detlef Drewes.

Der Glaube an eine Zukunft für Afghanistan schwindet. Dass sich die internationalen Geber in Brüssel auf eine neue Finanzspritze für die kommenden Jahre verständigen konnten, überrascht kaum. Die Europäer brauchen dringend die Kooperation mit der neuen Regierung, um ihre Probleme an den Hindukusch exportieren zu können: Flüchtlinge.

Diesen Egoismus versucht man in Brüssel durch eine jährliche 200-Millionen-Spritze für das Land zu vertuschen. Doch das ist keine wirkliche Hilfe, sondern nur ein erbärmlicher Tropfen auf einen Stein, den man durch Fehler der Vergangenheit selbst heiß gemacht hat. Denn Brüssel versäumte es – wie viele andere auch – , sich neue, verlässliche Partner in dem Land zu suchen. Stattdessen hat man auf Provinzfürsten und eine korrupte Politikerklasse gesetzt, die viel Geld in dunkle Kanäle abfließen ließen.

Dabei berichten die Helfer vor Ort von zahlreichen engagierten jungen Nachwuchspolitikern, die nichts mehr wollen, als für ihr Land einen neuen Weg zu gehen, abseits von Warlords, denen es vor allem um eigene Pfründe geht. Es fällt derzeit schwer zu glauben, dass die internationale Geber-Gemeinschaft diese Lektion verstanden hat und dem Land am Hindukusch einen wirklichen gangbaren Weg in eine neue Zukunft ebnet.

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