Agrarmesse Grüne Woche im Schatten des Dioxinskandals

Deftig: Polen ist das Gastland der Grünen Woche 2011. Das Bild entstand auf der Agrarmesse im Jahr 2008 Archivfoto: dpa 

Berlin. Passend zur Internationalen Grünen Woche in Berlin, die am morgigen Freitag die Tore für Besucher öffnet, kündigt die deutsche Ernährungsindustrie höhere Preise für Lebensmittel an.

„Die Preise für Rohstoffe sind extrem gestiegen“, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie Jürgen Abraham. Seit Mai 2010 hätten sich Agrarrohstoffe um 40 Prozent verteuert. „Das kann die Industrie nicht allein wegstecken, irgendwann müssen wir das an die Verbraucher weitergeben.“

Damit nicht genug: Die Veranstalter der weltgrößten Agrarmesse rechnen zwar wieder mit mehr als 400 000 Besuchern, befürchten aber, dass der bundesweite Dioxinskandal einen Schatten auf die Verbraucher- und Schlemmermesse wirft. Dabei standen alle Zeichen auf gut. 1632 Aussteller aus 57 Ländern haben sich angemeldet. Die Hallen sind ausgebucht. Genüsse aus aller Welt locken, und das Gastland Polen wird mit 80 Ständen seine traditionelle und deftige Küche anpreisen. Es gibt Bigos, den berühmten polnischen Schmortopf aus Kraut und Fleisch, die Gemüsesuppe Barszcz mit roter Bete und Piroggen, gefüllte Teigtaschen: Das Motto des Gastlandes lautet: „Polska schmeckt.“

Parallel zu den Ausstellungen finden 300 Seminare, Diskussionen und Kongresse statt. Neben dem Dioxinskandal stehen Themen wie die wachsende Fleischindustrie, Biokraftstoffe, der weltweite Hunger sowie die wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten auf der Agenda. Nach einer Studie der Universität Bonn steigerte der Handel seinen Umsatz mit Bio-Produkten zwischen den Jahren 2000 und 2009 um rund 180 Prozent. Die Bio-Bauern in Deutschland können die Nachfrage immer weniger decken und fürchten, weiter zurückzufallen. Die Grüne Woche ist längst keine reine Agrar- und Verbrauchermesse mehr, sondern ein politisches Forum.

Aus Nordhessen und Südniedersachsen sind 19 Aussteller vertreten, darunter Erzeuger, Verbände und Bio-Energie-Firmen.

Von Heike Wagner

Hintergrund: Grüne Woche 21. bis 30. Januar

• Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr, am 22., 28. und 29. Januar bis 20 Uhr

• Ort: Messegelände am Berliner Funkturm

• Eintrittspreise: Tageskarte 10 bis 12 Euro, es gibt Gruppenrabatt, Schüler/Studenten: 8 Euro, Familienticket (2 Erwachsene, 3 Kinder) 26 Euro.

• Anreise Bahn: Halbstündlich von Kassel Wilhelmshöhe nach Berlin Hbf

• Anreise Auto: A111, A115 und A100, Dreieck Funkturm, Ausfahrt Messegelände

• Infos und Tickets: www.gruene-woche.de

Aussteller aus der Region

Das Hofgut Rocklinghausen (Kreis Waldeck-Frankenberg) und die Staatsdomäne Frankenhausen (Kreis Kassel) sind in erster Linie in Berlin, um mit Wurst, Schinken, Äpfeln und Kartoffeln für den ökologischen Landbau zu werben. „Unsere Produkte werden regional vermarktet“, sagt Bernd-Heinrich Kramer, Leiter des Hofguts. Während der Lehr- und Versuchsbetrieb der Universität Kassel, die Domäne Frankenhausen, zum ersten Mal bei der Grünen Woche einen Stand hat, ist das Hofgut seit 2003 vertreten. „Die Grüne Woche ist etwas besonderes“, sagt Kramer. Interessant seien auch die agrarpolitischen Diskussionen, die in diesem Jahr sicherlich vom Dioxinskandal bestimmt würden. Halle 6.2A, Stand 102

Roth

Dabei ist erstmals die Firma Roth aus Rotenburg mit ihren Holzverfeuerungsanlagen. Sie hat einen 40 Quadratmeter großen Stand auf der Fachschau für nachwachsende Rohstoffe nature.tec in der Bioenergiehalle. Man hoffe auf Kundenkontakte, sagt Susanne Roth. „Wir wollen das einfach mal ausprobieren.“

Halle 4.2/107

Isofloc

Isofloc aus Lohfelden bei Kassel wird in Berlin für Dämmmaterial aus Altpapier werben. „Seitdem es die nature.tec gibt, ist die Grüne Woche für uns interessant“, sagt Ronald Handreck von Isofloc. „Anders als auf Fachmessen erreichen wir bei der Grünen Woche ein deutschlandweites Publikum.“

Halle 4.2/117C

Treffpunkt Wald

Der Internetkalender Treffpunkt Wald der Forstverwaltungen mit Sitz in Göttingen bündelt Veranstaltungen in ganz Deutschland zum Thema Wald. „Wir wollen bekannter werden, die Grüne Woche ist da ideal“, sagt Geschäftsführer Marcus Kühling. „Eine vergleichbare Waldmesse gibt es nicht.“

Halle 4.2/208/616

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.