Entrüstung über Winkelmann

Air Berlin: Bund will mehr soziales Engagement der Lufthansa sehen

Lufthansa hat sich begehrte Teile des insolventen Konkurrenten gesichert - mit Rückenwind vom Bund. Doch nun gibt es in der Regierung auch Erwartungen.

Die Bundesregierung fordert von der Lufthansa mehr Engagement für Beschäftigte und Kunden der insolventen Air Berlin. „Die Lufthansa und andere Interessierte, die gute Stücke von Air Berlin übernehmen, müssen bei der Qualifizierung und Vermittlung der Air-Berlin-Beschäftigten in einer Transfergesellschaft Verantwortung übernehmen“, sagte die kommissarische Arbeitsministerin Katarina Barley (SPD) am Donnerstag. „Wir brauchen jetzt rasch ein Bekenntnis aller Beteiligten - im Interesse der vielen Frauen und Männer bei Air Berlin, die gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt brauchen.“

Die Lufthansa übernimmt für voraussichtlich etwa 210 Millionen Euro 81 von 134 Flugzeugen vor Air Berlin. Zudem können 3000 Beschäftigte zum deutschen Marktführer wechseln. Appelle nach mehr Engagement wies Lufthansa zurück.

Maas will Erstattung für verfallene Air-Berlin-Tickets

Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte am Donnerstag gefordert, dass der Konzern Air-Berlin-Kunden entgegenkommt, deren Tickets verfallen. „Es sollte im eigenen Interesse der Lufthansa liegen, sich jetzt möglichst kulant gegenüber den Kunden zu zeigen, und Air-Berlin-Tickets auf den von ihr übernommenen Strecken zu akzeptieren“, sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies wäre ein wichtiges Signal, um Kundenvertrauen nicht zu verlieren.

Ähnlich äußerte sich der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller: „Viele tausend Air-Berlin-Kunden werden von ihrem Geld nichts mehr wiedersehen. Die Lufthansa sollte sich großzügig zeigen und Air-Berlin-Kunden die Gebühren für bereits gebuchte Tickets erstatten.“

Lufthansa: „Haben schon viel getan“

Bislang haben Air Berlin selbst, Berlin und Nordrhein-Westfalen angekündigt, sich an einer Transfergesellschaft zu beteiligen. „Einen vergleichbaren Einsatz würde ich mir auch von Bayern wünschen, wo ebenfalls viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze stehen“, sagte Barley.

Lufthansa erklärte am Donnerstag, man habe mit der Übernahme von großen Teilen von Air Berlin schon viel für deren Beschäftigte beigetragen. „Lufthansa hat sich mehr als jeder andere Akteur engagiert mit der Schaffung und Übernahme von 3000 Arbeitsplätzen und Investments von 1,5 Milliarden Euro zur nachhaltigen Sicherung dieser Jobs.“

Auch Tuifly in Turbulenzen

Am Donnerstagnachmittag kamen Beschäftigte zum dritten Mal zu einer Jobmesse in der Air-Berlin-Zentrale, wo dieses Mal Angebote der Berliner Verwaltung auf sie warteten. „Wir suchen rund 4000 Beschäftigte im Moment“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Abgeordnetenhaus. Bei Air Berlin gebe es viel Verwaltungs- und IT-Erfahrung, die auch für sie interessant seien.

Die Air-Berlin-Insolvenz erreicht derweil auch den Ferienflieger Tuifly. 150 Stellen stehen dort nach Firmenangaben auf dem Spiel, da die Airline des Reisekonzerns Tui wegen der Rückgabe von 14 samt Besatzung vercharterten Boeing-Flugzeugen nun einen Personalüberhang hat. Air Berlin hatte bei Tuifly 14 Jets samt Besatzung gemietet. Zuerst hatte die Neue Presse und die Hannoversche Allgemeine Zeitung über den möglichen Stellenabbau berichtet.

Entrüstung über Gehaltsgarantie für Air-Berlin-Chef Winkelmann

Die hohe Gehaltsgarantie für Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sorgt unterdessen weiterhin für Entrüstung. Politiker von Union, SPD und Grünen warfen dem Manager unethisches Verhalten vor, auch Forderungen nach einer Untersuchung der Abmachungen zwischen der mittlerweile insolventen Airline und Winkelmann wurden laut.

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Christian von Stetten sagte dem Handelsblatt, er gehe davon aus, dass der gesamte Komplex der Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa "zu einem späteren Zeitpunkt noch mal untersucht wird". Er vermute, dass "einiges im Vorfeld abgesprochen" worden sei, das dem Wettbewerb "nachträglich schaden" werde.

dpa/AFP/fn

Rubriklistenbild: © REUTERS

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