Drei Milliarden Euro-Deal

Airbus nach geplatztem Helikopter-Deal sauer auf Warschau

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Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo besucht eine Fabrik des Konkurrenten in Mielec. Foto: Darek Delmanowicz

Über Monate verhandelte Airbus mit Polen über den Verkauf von 50 Militärhubschraubern - doch dann lässt Warschau den Deal platzen. Airbus fühlt sich getäuscht und reagiert ungewöhnlich deutlich.

Warschau/Toulouse (dpa) - Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat empört auf das Platzen eines milliardenschweren Helikopter-Deals mit Polen reagiert.

"Noch nie wurden wir von einem Regierungskunden in ähnlicher Art behandelt wie jetzt durch die polnische Regierung", erklärte Konzernchef Tom Enders. "Airbus beabsichtigte, im großen Stil in Polen zu investieren und wollte zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Luft- und Raumfahrtindustrie im Land beitragen. Doch Polens Regierung hat uns die Tür vor der Nase zugeschlagen!"

Polen hatte seit vergangenem Jahr mit Airbus über den Kauf von 50 Caracal-Militärhubschraubern zum Preis von gut drei Milliarden Euro verhandelt. Die Regierung in Warschau brach die Gespräche vergangene Woche aber ab und will nun Hubschrauber des amerikanischen Modells Black Hawk aus Fabriken in den polnischen Städten Mielec und Swidnik kaufen. Dort befinden sich Werke der Airbus-Konkurrenten Sikorsky und Leonardo.

Verteidigungsminister Antoni Macierewicz sagte in Lodz, dass in den nächsten Jahren 21 Hubschrauber geliefert werden sollen - zwei bereits in diesem Jahr.

Die Verhandlungen mit Airbus hatten noch unter der vorherigen Regierung begonnen, seit November 2015 regiert aber die nationalkonservative PiS-Partei. Airbus erinnerte daran, dass bei der Ausschreibung kein anderer Anbieter die Anforderungen erfüllt habe.

Der Chef der Helikopter-Sparte, Guillaume Faury, unterstrich in einem offenen Brief an die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo, dass Airbus die Hubschrauber vollständig in Polen herstellen wollte. Das Unternehmen sei zur Einrichtung einer Fabrik bereit gewesen, die zu 90 Prozent in polnischem Staatsbesitz gewesen wäre. Die bestehenden Fabriken gehörten dagegen komplett den ausländischen Herstellern.

"Wir haben den Eindruck, dass wir von der aktuellen polnischen Regierung seit Monaten an der Nase herumgeführt worden sind", sagte Enders. Airbus habe viel Zeit und Geld investiert. "Wir werden nun selbstverständlich geeignete Maßnahmen ergreifen." Was damit gemeint ist, wurde aber nicht deutlich. Warschau wies die Kritik zurück: Es sei alles unternommen worden, mit den Partnern einen Kompromiss zu finden, sagte Vize-Entwicklungsminister Radosław Domagalski-Łabędzki.

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