Hubschrauberbauer Eurocopter betreibt in Kassel sein zentrales Schulungszentrum für Fluggerätemechaniker und -elektroniker

Akademie für Spezialisten der Lüfte

Arbeiten am richtigen Fluggerät: Tobias Frahme, der bei der Bundeswehr in Rheine stationiert ist, studiert in einem Handbuch seine nächsten Arbeitsschritte. Foto: Pinto

kassel. Kritisch beäugt Sven Hansel den Rotorkopf des mittelgroßen Hubschraubers EC 135. Nebenan macht sich Tobias Frahme mit Hilfe der Bedienungsanleitung mit den Instrumenten eines ehemaligen Rettungshubschraubers vertraut. Beide sind Soldaten, Hansel ist im nordhessischen Fritzlar, Frahme im westfälischen Rheine stationiert. Und beide machen derzeit ihre Ausbildung zum Fluggerätemechaniker im modernsten Ausbildungszentrum seiner Art in Deutschland.

Es steht in Kassel und wird vom weltgrößten Hubschrauber-Hersteller Eurocopter betrieben. 1200 bis 1500 angehende Luftfahrttechniker werden dort jährlich aus- und weitergebildet, im Schnitt befinden sich ständig 350 Schüler in der bundesweit einzigartigen Einrichtung. Im Inland unterhält lediglich die Lufthansa eine ähnliche Einrichtung.

Allerdings muss auch Europas größte Fluggesellschaft gelegentlich Fluggerätemechaniker und -elektroniker für einige Zeit nach Kassel schicken, weil sie bestimmte Ausbildungsinhalte - vor allem wenn es um Helikopter geht - nicht selbst anbieten kann. „Wir sind die einzigen, die das komplette Aus- und Weiterbildungsangebot haben“, sagt der kaufmännische Leiter der Akademie, Hans-Jürgen Stemmler, nicht ohne Stolz. Denn die Besucher der Eurocopter-Schule werden nicht nur für Hubschrauber, sondern auch für Flugzeuge ausgebildet. In der bundesweit einzigen Simulationswerft Deutschlands steht neben fünf Hubschraubern auch ein Segment des Airbus A310. Die Theorie in den Unterrichtsräumen wird vielfach am selben Tag in den Übungswerkstätten praktisch nachvollzogen.

Die Ausbildung ist modular aufgebaut. Wer sie komplett bei Eurocopter absolviert, bleibt 21 Monate am Stück in Kassel. Wer nur Teile des Unterrichts braucht, kommt für einige Tage, Wochen oder Monate – je nach Arbeitgeber und Einsatzgebiet.

Fast noch wichtiger als die Ausbildung ist die Erteilung der unverzichtbaren Prüflizenzen nach den europäischen Luftfahrtregularien. Das Schulungszentrum in Kassel ist eine von drei Einrichtungen, die diese Lizenzen vergeben darf. Ohne die kann ein reparierter oder gewarteter Flieger oder Hubschrauber nicht wieder freigegeben werden.

Die Bundeswehr ist mit einem Schüleranteil von etwa 50 Prozent nach wie vor der größte Kunde des Schulungszentrums. Die andere Hälfte entfällt auf die Polizei, private Luftfahrtgesellschaften, Rettungsdienste und den ADAC.

30 ständige und etwa 20 wechselnde Lehrer sowie zehn Verwaltungsangestellte beschäftigt das Schulungszentrum, das 1970 von den Henschel Flugzeugwerken gegründet wurde. Im Zuge der Zerschlagung von Henschel kam die Einrichtung 1994 zur Eurocopter-Gruppe. Die Schule lässt sich ihr Angebot gut bezahlen. Laut Stemmler setzt sie einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr um und schreibt schwarze Zahlen. Nähere Angaben macht er aber nicht.

Von José Pinto

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