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Trotz gekürzter Lieferung: Russland verdient genauso viel am Gas wie vor der Drosselung

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Von: Lisa Mayerhofer

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Die Bundesregierung hat die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Doch bei Gazprom sprudeln die Gewinne weiter.

Berlin – In Deutschland wächst die Sorge vor Lieferengpässen bei Gas. Erst am Donnerstag hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wegen der drastisch gesunkenen Liefermengen die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Laut Habeck (Grüne) ist die Drosselung politisch motiviert – er warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin aus diesem Grund einen „ökonomischen Angriff“ vor.

Gazprom macht trotz reduzierter Liefermengen Millionen-Umsatz

Bisher hatten viele westliche Experten gehofft, dass Russland nicht von sich aus die Gasmengen drastisch reduzieren würde, da es auf die Zahlungen angewiesen ist. Nun zeigt sich: Gazprom kann die Liefermengen drosseln – und das fast ohne finanzielle Einbußen.

Das legt eine Berechnung nahe, die das Marktforschungsunternehmen ICIS für das Handelsblatt erstellt hat. Demnach hat Gazprom vergangenen Freitag rund 180 Millionen Euro mit Gaslieferungen nach Europa eingenommen. Eine Woche zuvor – also vor der Drosselung – waren es rund 185 Millionen Euro.

Der russische Staatskonzern hat also 30 Prozent weniger an Gasmengen nach Europa geliefert, aber nur etwa drei Prozent weniger eingenommen. Grund dafür sind die stark gestiegenen Gaspreise auf dem Markt – die mit Blick auf mögliche Engpässe im kommenden Winter noch einmal stark gestiegen sind. ICIS-Experte Andreas Schröder sagte gegenüber dem Handelsblatt: „Die heftigen Preissprünge an der Gasbörse kompensieren die stark reduzierten Liefermengen von Gazprom ein Stück weit.“

Alarmstufe
Die Bundesregierung hat die Alarmstufe beim Notfallplan Gas ausgerufen. © Julian Stratenschulte/dpa

Gas-Streit: Russland weist Schuld von sich

Moskau weist im Streit um die stark reduzierten Gasliefermengen jede Schuld von sich. „Die Russische Föderation erfüllt alle ihre Verpflichtungen“, bekräftigte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge.

Einmal mehr bestritt Peskow zudem, dass die Gasdrosselung über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 politisch motiviert sei. Vielmehr seien sanktionsbedingte Verzögerungen bei Reparaturarbeiten Ursache des Problems. Nach russischen Angaben steckt eine Siemens-Turbine für die Pipeline im Ausland fest.

Ukrainischer Gasnetzbetreiber: „Gibt alternative Routen“

Der Chef des ukrainischen Gasnetzbetreibers GTSOU, Sergiy Makogon, sieht das naturgemäß anders. Er empfiehlt Deutschland im Handelsblatt, Gazprom aufzufordern, den vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. „Technische Probleme mit Nord Stream sind kein triftiger Grund für einen Lieferstopp, da es alternative Routen gibt“, sagte Makogon.

Russland könnte genauso alternative Gaspipelines in Polen und der Ukraine nutzen. Gazprom habe sogar Rechte für den Gastransfer über das ukrainische Netz reserviert und bezahlt. Der GTSOU-Chef schlussfolgert: „Russland setzt Gas als hybride Waffe gegen den Westen und als politisches Druckmittel auf europäische Länder, vor allem auf Deutschland ein.“ (lma/dpa)

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