Der Kasseler Bus- und Bahntürenhersteller Bode richtet sich international aus

Zug um Zug in alle Welt

Neue Türen aufstoßen: Kunden der Gebr. Bode GmbH & Co. KG in Kassel sind vor allem Bus- und Schienenfahrzeugbauer. Hier dichtet Silvio Schleupner eine Tür ab. Fotos: Koch

Kassel. Es sieht sehr ordentlich aus: Kleinteile in Kästen sortiert, die Arbeitsplätze so ausgerichtet, dass sie den Beschäftigten lange Wege in der Fertigung ersparen, die Werkzeuge griffbereit abgelegt. Ernst Raphael, Sprecher der Geschäftsleitung des Bus- und Bahntürenherstellers Gebr. Bode GmbH & Co.KG in Kassel, ist stolz auf diese Halle. Denn Unordnung kostet Zeit. Und damit Geld.

Bode, mit 510 Mitarbeitern und über knapp 118 Millionen Euro Umsatz größte Tochter des Münchner Schaltbau-Konzerns, hat aufgeräumt. Nicht nur in den Hallen, auch in den Finanzen. Vorbei die Zeit, als der Mutterkonzern seinen damaligen Minusmacher mit den Erträgen der anderen Töchter durchfütterte. 2010 ist der Bode-Umsatz um 8,3 Prozent auf 117,8 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel mit 7,7 Mio. Euro sogar um 28 Prozent höher aus als vor Jahresfrist und macht ein Drittel am Ebit des Mutterkonzerns aus.

Mit der Tür nach Dubai

„Bode ist im Kern saniert, jetzt gehen wir daran, das Unternehmen international aufzustellen“, sagt Raphael. Die Fachmesse für öffentliches Verkehrswesen in diesem Monat in Dubai passte da gut.

Bode stellte in dem arabischen Emirat die neueste Entwicklung vor: Eine so genannte Taschenschiebetür, die, wenn sie geöffnet wird, in dem Raum zwischen Innen- und Außenwand eines Zuges verschwindet. Damit ist das Angebot von Türen vom Hochgeschwindigkeitszug bis zur Straßenbahn komplett. Die Neuentwicklung soll in erster Linie in Asien und in Russland verkauft werden.

Doch um Zug um Zug auf den Weltmarkt zu kommen, braucht Bode die Produktion vor Ort. Das gilt vor allem für Aufträge, die an einen „local content“ gekoppelt sind, an die Forderung, einen bestimmten Anteil der Produkte im Abnehmerland zu fertigen. Und so haben die Kasseler in den USA einen Bustürproduzenten mit 15 Mitarbeitern gekauft, und in Korea im Januar eine Vertriebsniederlassung gegründet. Die Beteiligung am polnischen Zugtür- und Fensterhersteller Rawag (Rawicz) wurde auf über 30 Prozent aufgestockt. In China, wo die Kasseler 2009 beim Gemeinschaftsunternehmen Bode Peking ausgestiegen waren, wird wieder ein Geschäftspartner gesucht.

Auch Russland ist näher ins Blickfeld gerückt. Bode rüstet seit dem Herbst Siemens-Züge für die olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 aus, ein neun Mio. Euro-Auftrag für die Kasseler Produktion.

Die Türen für Schienenfahrzeuge bringen rund die Hälfte des Jahresumsatzes ein. 40 Prozent steuert die Bussparte bei. Die restlichen zehn Prozent liefert das Automotive-Geschäft, das im wesentlichen Beschläge für die VW-Transporter T5 und Caddy produziert – bis zu 7500 Stück am Tag. Seit kurzem arbeitet auch die kleine Sparte an einem Großauftrag: Sie liefert komplette Schiebetüren für 1300 Lieferfahrzeuge der Post-Pakettochter DHL. Der Auftrag mit einem Volumen von vier Mio. Euro hat gute Chancen, fortgeschrieben zu werden: In den nächsten Jahren braucht DHL 18 000 neue Fahrzeuge.

Von Barbara Will

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