Großaktionär Melnitschenko verkauft ein Drittel seiner Aktien

K+S allein im Haus?

Kassel. Der Kasseler Düngemittel- und Salzhersteller K+S steht womöglich bald ohne Großaktionär da. Nach dem Ausstieg von BASF im März gab nun der russische Geschäftsmann Andrej Melnitschenko bekannt, seinen Anteil am Unternehmen auf 9,88 Prozent gesenkt zu haben.

2008 hatte Melnitschenko, Eigentümer des russischen Stickstoff- und Phosphatdüngerproduzenten EuroChem, über seine Finanzbeteiligung Meritus Trust in der Spitze 15 Prozent am Dax-Konzern gehalten. Diesen Anteil hat er nun schrittweise reduziert. Somit blieben die Schwankungen der K+S-Aktie an der Börse gering. Gestern lag der Kurs der Aktie bei 55,48 Euro, 2,32 Prozent mehr als am Vortag.

Marktexperten hatten seit längerem mit einem Rückzug von EuroChem gerechnet. Im Herbst 2010 waren Gespräche über die gemeinsame Erschließung eines Kali-Vorhabens am Ural einseitig von EuroChem beendet worden. Dem Vernehmen nach wollte K+S weitere technische Analysen, da die Förderung recht komplex sei. Die Russen hatten daraufhin angekündigt, ihr Vorhaben nun allein erschließen zu wollen – und dafür brauchen sie Geld. Melnitschenkos Firma soll das K+S-Aktienpaket zuletzt nur noch als Finanz- und nicht mehr als strategische Beteiligung gehalten haben.

Durch den Verkauf des Anteils steigt damit der Streubesitz von K+S auf knapp 82 Prozent. Außer Meritus Trust halten noch die Finanzinvestoren Blackrock Inc. mit 5,46 Prozent und die Capital Research and Management Company mit 3,13 Prozent größere Anteile am Konzern.

Dennoch: 80 Prozent reichen für eine feindliche Übernahme. Laut Nachrichtenagentur Reuters könnte der Kasseler Konzern damit wieder ins Visier von Bergbaukonzernen geraten: BHP Billiton, Vale und Rio Tinto drängen seit einiger Zeit in den Markt für Kali-Düngemittel, um ihr Angebot zu verbreitern.

Dagegen spricht, dass die Produktion von K+S keineswegs so günstig ist wie in China oder Kanada. Da das Geschäft stark Europa-lastig ist, sind nicht nur die Löhne, sondern auch die Umweltauflagen deutlich höher – und das kostet. Zudem müsste ein Investor für den Kauf von K+S nach derzeitigem Stand an die 15 Milliarden Euro hinblättern – das entspricht in etwa dem Verkaufsaufschlag an die Aktionäre und dem Börsenwert.

K+S ist ein lukratives Investment – nicht nur aufgrund der Produkte, sondern auch der guten Zahlen. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 44 Prozent auf 384,3 Millionen Euro zu. Der Ausblick, den der Vorstandsvorsitzende Martin Steiner im Mai für 2011 gab, klingt gut: Er erwartet einen deutlichen Umsatz- und kräftigen Ergebnisanstieg. Foto: dpa

Von Martina Wewetzer

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