Horn & Bauer stellt Folien her – von der Nudelpackung bis zum Chemikalien-Sack

Alles wird eingewickelt

Folienspezialist: Gut 20 000 Tonnen im Jahr stellt Horn & Bauer her. Knapp die Hälfte davon kommt aus Schwalmstadt. Das Bild zeigt das Befüllen der Anlage mit Kunststoffgranulat. Foto: nh

Schwalmstadt. Er bläht sich zur schlanken Ballonform. Verliert sich unter der Hallendecke. Kommt in einer endlosen Bahn wieder zurück: Bis zu 20 Meter braucht der milchige Kunststoffschlauch, bis er sich abgekühlt hat, sagt Jörg Horn, einer der beiden Geschäftsführer des Folienherstellers Horn & Bauer aus Schwalmstadt. Die Extrudermaschinen, die Kunststoffgranulat schmelzen und zu Schläuchen aufblasen, laufen Tag und Nacht, sieben Tage die Woche. Mehr als 22 000 Tonnen Folie, die vom Schlauch zu Bahnen geschnitten wird, schafft die Firmengruppe pro Jahr.

Mit ihr wickelt eine internationale Kundschaft ihre Produkte ein, die hauptsächlich der Automobil-, Pharma- oder Chemiebranche angehört. Ein recht junger Bereich sind Lebensmittelverpackungen. Auf der Nürnberger Branchenmesse FachPack zeigte das Unternehmen etwa besonders robuste Nudelverpackungen, die nach dem Öffnen nicht weiter aufreißen und Tierfuttertüten, die wie Papier anmuten. In bis zu acht Farben prangt eine bunte Plastikhülle, die Schattierungen müssen genau den Vorgaben des Auftraggebers entsprechen, sagt Geschäftsführer Reinhard Bauer.

Die feinsten Folien sind noch nicht einmal ein hundertstel Millimeter dick, obwohl sie drei Schichten haben. Andere, die Zusatzstoffe für das Vulkanisieren, das „Backen“ von Reifen enthalten, lösen sich auf, wenn sie in die heiße Gummimasse kommen. Spezialfolien die zu großen Säcken verarbeitet werden, sind elektrisch leitfähig. In sie werden Chemikalien in Pulverform gefüllt. Der Druck ist dabei so hoch, dass sich das Pulver statisch auflädt. Wird die Elektrizität nicht abgeleitet, käme es zur Staubexplosion.

Maßarbeit

Oft leisten die Schwalmstädter Maßarbeit – bei den Plastibezügen etwa, die fabrikneue Autositze schützen und sich passgenau an Armlehnen und Kopfstützen schmiegen.

60 bis 65 Millionen Euro Umsatz plant die Gruppe in diesem Jahr. Etwa ein Fünftel davon bringen Autohersteller ein, weitere 40 Prozent stammen von Zulieferern und Werkstätten. Der Umsatz brach 2009 zwar um elf Mio. auf 50 Mio. Euro ein, aber das Ergebnis blieb fast auf dem Vorjahresniveau. Detaillierte Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Die zehnprozentige Kurzarbeit habe geholfen, sagt Bauer. Auch die Rohstoffpreise seien gesunken. Rund 20 000 Tonnen Polyethylen verbraucht die Gruppe pro Jahr, ein Rohstoff, dessen Herstellung in der Hand weniger Konzerne liegt.

Lag der Höchstpreis für eine Tonne Standard-Polyethylen 2008 bei 1600 Euro, war sie 2009 rund 600 Euro billiger. Inzwischen steigt der Preis wieder. Den starken Schwankungen stehen langfristige Verträge mit Abnehmern gegenüber, die die Preise weitgehend festschreiben.

Neben dem Kunststoffgranulat ist Energie ein wichtiger Posten auf der Rechnung von Horn & Bauer. „Wir sind der größte Stromverbraucher im Schwalm-Eder-Kreis“, sagt Bauer.

Von Barbara Will

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