Autofahrer abkassiert: Alter Supersprit wird nach Einführung von E10-Benzin deutlich teurer

Bittet die Autofahrer vorerst nur in Ostdeutschland für herkömmliches Superbenzin stärker zur Kasse: der Tankstellenbetreiber Aral. Er gehört zum britischen BP-Konzern. Foto: dpa

Kassel/Göttingen. Die bevorstehende Einführung der neuen Spritsorte E10 könnte einen Preisschock für die Fahrer älterer Autos mit sich bringen. Wie es aussieht, müssen sie in Zukunft für das herkömmliche Superbenzin wahrscheinlich flächendeckend fünf oder sechs Cent mehr zahlen als bisher.

Betroffen sind alle Autofahrer, deren Fahrzeuge das neue E10 nicht vertragen und die weiter das bisherige E5 tanken müssen.

Dass ausgerechnet der alte Sprit teurer wird, überrascht die meisten Beobachter. Bisher waren allgemein Preisaufschläge für den neuen Treibstoff erwartet worden.

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Nach Berechnungen des Automobilclubs ADAC sind mindestens drei Millionen zumeist ältere Fahrzeuge betroffen. Werden sie mit dem neuen E10-Sprit betankt, drohen erhebliche Motorschäden. ADAC-Präsident Peter Meyer bezeichnete die Anhebung des Preises für E5-Superbenzin als „Tricksereien der Mineralölkonzerne“. Sie sei ein Schlag ins Gesicht all derer, die weiter E5-Sprit tanken müssen. Die Konzerne missachteten mit ihrer Preispolitik die Bestandsschutzregelung, mit der der Gesetzgeber sicherstellen wollte, dass Halter von Altfahrzeugen nicht benachteiligt werden. Der ADAC werde sich vehement gegen diese Preistreiberei zur Wehr setzen, sagte Meyer.

Ob die Minerölkonzerne die Verteuerung des herkömmlichen Sprits flächendeckend durchsetzen können, ist noch nicht entschieden. Der Tankstellenbetreiber Aral hat die Umstellung in Ostdeutschland nahezu abgeschlossen und verlangt fünf Cent mehr für den alten Sprit. Ein Sprecher betonte auf Anfrage, dass man derzeit noch nicht wisse, ob die Preisanhebung bundesweit erfolgen solle. Bei Esso war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen, und Shell mochte sich zu dem Thema erst gar nicht äußern.

Auch beim ADAC ist man nicht nicht sicher, ob die Preisanhebung flächendeckend kommt. „Wir beobachten das genau“, sagte Pressesprecher Andreas Hölzel.

Bis zum Frühjahr sollen alle rund 14 000 Tankstationen in Deutschland mit E10 beliefert werden. Der Treibstoff enthält zehn Prozent Bioethanol und damit doppelt so viel wie bisheriges Superbenzin. Etwa 90 Prozent aller Fahrzeuge in Deutschland vertragen den neuen Sprit. Autofahrer sollten unbedingt die Hersteller ihres Fahrzeug oder ihre Werkstatt fragen, ob ihr Wagen E10-tauglich ist. Wer versehentlich E10 tankt, sollte das Auto abschleppen lassen.

Der neue Sprit ist wesentlich aggressiver als der alte. Er greift bestimmte Kunststoffe und Metalle stärker an, was vor allem bei älteren Fahrzeugen zu irreparablen Schäden führen kann.

Wer unsicher ist, kann im Internet unter www.adac.de/e10 oder www.dat.de/e10 nachschauen, ob sein Fahrzeug E10 verträgt. Bei DAT kann eine PDF-Datei kann kostenlos heruntergeladen werden. (jop)

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