Verdi verlangt Tarifbindung

Amazon-Mitarbeiter streiken in Leipzig

Leipzig - Der US-Versandhändler Amazon lehnt eine Tarifbindung strikt ab. Verdi reagiert mit dem ersten Streik des Jahres am Standort Leipzig. Eine Lösung des Konflikts scheint in weiter Ferne.

Nach einer mehrmonatigen Ruhepause hat die Gewerkschaft Verdi die Streiks beim US-Versandhändler Amazon wieder aufgenommen. Am Montag waren die Beschäftigten des Standorts Leipzig zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago sagte, er rechne mit einer Beteiligung von 400 bis 500 Kollegen aus der Früh- und Spätschicht. Amazon nannte keine Zahlen, erklärte jedoch: „Die überwältigende Mehrheit unserer Beschäftigten ist diesem Aufruf nicht gefolgt, sondern hat regulär gearbeitet.“ Es habe „keinerlei Verzögerung“ bei der Zustellung von Paketen gegeben.

Mit dem ersten Streik in diesem Jahr reagierte Verdi nach eigenen Angaben auf Aussagen des Amazon-Managements von vergangener Woche, wonach Tarifverhandlungen weiter strikt abgelehnt werden. Zuletzt hatte Verdi das Weihnachtsgeschäft bei Amazon in Leipzig und im nordhessischen Bad Hersfeld bestreikt. Während Verdi damals von Verzögerungen sprach, hatte Amazon spürbare Auswirkungen des Streiks stets bestritten.

„Sollte Amazon weiter Verhandlungen ablehnen, werden wir deutschland- und europaweit kämpfen“, kündigte Verdi-Sprecher Thomas Schneider am Montag in Leipzig an. Die Streikserie aus dem vergangenen Jahr könne mit einzelnen Streiktagen, aber auch längeren Aktionen weitergehen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago. „Wir werden das so lange fortsetzen, bis es verbindlich geregelte Arbeitsbedingungen gibt.“ Die Streiks hatten im Mai 2013 begonnen - und bislang keine Annäherung gebracht.

Amazon hatte am vergangenen Mittwoch erneut deutlich klar gemacht, dass es keine Verhandlungen geben wird. „Wir sind fundamental davon überzeugt, dass ein dritter Partner im Unternehmen immer nur die zweitbeste Lösung ist“, hatte Armin Cossmann, Regionalmanager Nordost, bei einem Werksbesuch in Leipzig erklärt. Die Bezahlung der Mitarbeiter sei mit einem Einstiegsgehalt von 9,55 Euro sowie 10,99 Euro nach zwei Jahren am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.

Im Kern dreht sich die Auseinandersetzung auch um die Frage, ob das Geschäft von Amazon Handel oder Logistik ist. Im Handel liegen die Tariflöhne im Schnitt höher als in der Logistik. Der Leipziger Standortchef Dietmar Jüngling hatte erklärt: „Ein Handel handelt. Wir handeln nicht.“ Das Versandzentrum in Leipzig sei eine eigene GmbH, welche die Logistik für Amazon übernehme. Verdi sieht das grundsätzlich anders und stellt sich nach Aussage von Verhandlungsführer Lauenroth-Mago auf eine sehr lange Auseinandersetzung ein. Wann und wo die Streiks weitergehen sollten, sagte der Verdi-Funktionär nicht.

Deutschland ist für Amazon der größte Markt außerhalb der USA, vor Japan und Großbritannien. Weltweit beschäftigt Amazon mehr als 117 000 Mitarbeiter. Das Versandlager in Leipzig hat rund 2000 Beschäftigte. Neben Leipzig gibt es in Deutschland acht weitere Standorte, zwei in Bad Hersfeld sowie je ein Logistikzentrum in Graben, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Koblenz und Brieselang.

dpa

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