Saatguthersteller KWS muss sich auf Hauptversammlung Kritikern stellen

Angst vor Genpflanzen

Grünes Geschäft: KWS ist der viertgrößte Saatgutzüchter der Welt. Foto: KWS/nh

Einbeck. Der niedersächsische Saatguthersteller KWS Saat AG muss sich wegen seines Geschäfts mit gentechnisch veränderten Pflanzen der Kritik der Aktionäre stellen.

Etwa 50 Umweltaktivisten, darunter Studenten der ökologischen Agrarwirtschaft der Universität Kassel in Witzenhausen sowie Landwirte und Gärtner, demonstrierten am Donnerstag zur Hauptversammlung des Saatgutherstellers am Stammsitz Einbeck mit einer Mahnwache und einem über 130 Quadratmeter großen Banner gegen die grüne Gentechnik, in der sie große Risiken sehen.

In den nächsten fünf Jahren werde sich die Anbaufläche für gentechnisch veränderte Pflanzen nahezu verdoppeln, sagte KWS-Vorstandssprecher Philip von dem Bussche vor den rund 520 Aktionären, die über 97 Prozent des Stammkapitals vertraten. Schon heute sei diese Fläche mit 125 Millionen Hektar größer als die gesamte Ackerfläche Europas. Auch Europa werde sich dieser Entwicklung „langfristig nicht verschließen können.“ Ohne die Genpflanzen, etwa eine Zuckerrübe, die den Unkrautvernichter Roundup verträgt, könne sich KWS im US-Geschäft nicht behaupten.

Für den Aktionär Christian Schüler von der Universität Kassel in Witzenhausen ist die grüne Gentechnik hingegen eine „Sackgassen-Technologie“. 13 Jahre Erfahrungen mit den veränderten Pflanzen – 70 Prozent von ihnen wurde eine Herbizid-Resistenz eingebaut – hätten ernüchternde Ergebnisse gebracht. Der Bedarf an Unkrautvernichtungsmitteln sei gestiegen, auch müssten die Genpflanzen oft stärker gedüngt werden.

Die Landwirte befürchten, dass Gensorten in ihre Felder einwandern könnten, etwa durch Pollenflug. Zumindest feinste Spuren sind nicht auszuschließen, räumte von dem Bussche ein: „Es wäre unredlich zu sagen, dass man mit Nullwerten wirtschaften kann.“

Im Geschäftsjahr 2008/09, das am 30. Juni endete, hatte KWS bei einem Rekordumsatz von 717,2 Millionen Euro unterm Strich rund 46 Mio. Euro verdient. Die Aktionäre genehmigten sich davon eine Dividende von 1,80 Euro je Anteilsschein, zehn Cent mehr als im Vorjahr. Für Heiko Barkemeyer, der für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach, könnte die Ausschüttungsquote freilich höher sein. Etwas mehr als ein Viertel des Gewinns werde an die Aktionäre verteilt, als angemessen gälten 40 bis 60 Prozent. Finanzvorstand Hagen Duenbostel gibt sich hingegen sparsam: KWS werde bei einer Ausschüttungsquote von 20 bis 25 Prozent bleiben. Pflanzenzüchtung ist ein teures Geschäft: Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um zehn Mio. auf 100 Mio. wachsen, sagte Vorstandsmitglied Léon Broers. Die Zahl der Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr weltweit um zehn Prozent auf 3215 wuchs, soll um weitere sechs Prozent aufgestockt werden.

In das laufende Geschäftsjahr ist KWS verhalten gestartet. Trotzdem erwartet Duenbostel einen Umsatzanstieg.

Von Barbara Will

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