Banken sollen Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen

Angst vor Kreditklemme

Frankfurts Bankenwelt ist alarmiert: Sie braucht mehr Eigenkapital, doch woher nehmen? Foto: dpa

Kassel. Als Reaktion auf die Finanzkrise sollen Banken verpflichtet werden, ihre Kreditgeschäfte mit mehr Eigenkapital abzusichern. Im internationalen Ringen um schärfere Regeln („Basel III“) laufen Planungen, die Eigenkapitalquote stufenweise von sechs auf zehn Prozent im Jahr 2013 anzuheben. Eine offizielle Bestätigung fehlt bislang.

Um diesen Sprung zu schaffen, bräuchten allein die zehn größten Banken Deutschlands 100 Milliarden Euro, stellte der Bundesverband deutscher Banken fest. Bereits jetzt steht fest: Kreditnehmer sind die Verlierer. Egal ob Unternehmer oder Privatmann – Kredite, für die die Banken heute acht Prozent Eigenkapital hinterlegen müssen, werden teurer, die Hürden höher. Das Wort von der Kreditklemme macht bereits die Runde.

? Was bedeutet dies für die Kapitalbeschaffung?

!Viele Geldinstitute haben keinen direkten Zugang zum Kapitalmarkt. Kurzfristig Eigenkapital aus dem Gewinn zu erwirtschaften, sei schwierig, stellt Hans-Joachim Massenberg vom Bundesverband deutscher Banken fest. Zumal Sparkassen ihr Eigenkapital fast nur aus Gewinnen aufbauen. Volks- und Raiffeisenbanken können sich zudem noch Geld bei den Anteilseigner besorgen. Dieses Geschäft ist aber teuer, da die Genossen dafür eine hohe Dividende erwarten. Aktiengesellschaften (AGs) können sich Geld am Kapitalmarkt besorgen.

? Haben die Basel-III-Entscheider dies nicht im Blick?

!Die Expertenrunde, die über Basel III debattiert, wird von angelsächsischen Instituten dominiert. Sie kennen kein dreisäuliges Bankensystem wie in Deutschland und können sich kaum vorstellen, dass es Banken gibt, die keine AGs sind. Deshalb mangelt es bisweilen am Verständnis für die Situation in Deutschland.

? Welche Folgen hätte eine höhere Eigenkapitalquote?

!Die höhere Quote wirkt sich negativ auf die Unternehmensfinanzierung und folglich auch auf das Wirtschaftswachstum aus. Bekommen Unternehmen nur teure Kredite, hemmt dies Investitionen.

? Brauchen alle Institute eine dickeres Polster?

!Nein, meint Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Wenn es keine systemischen Risiken gibt wie bei „gestreuten und kleinvolumigen Unternehmenskrediten“, die die Sparkassen anbieten, fehlt aus seiner Sicht die Notwendigkeit für eine höhere Quote.

? Werden alle bisherigen Posten auch weiterhin als Eigenkapital anerkannt?

!Nein. Stille Einlagen Dritter – wie die 25-Prozent-Beteiligung des Bundes an der Commerzbank – zählen künftig nicht mehr zum Eigenkapital, obwohl der Bund voll mit dieser Einlage haftet.

? Was bedeutet es, wenn stille Einlagen entfallen?

!Dann fehlen den Banken über Nacht 50 Mrd. Euro Eigenkapital. Änderungen auch bei den AGs: Es würden nur noch Aktienkapital und offene Rücklagen anerkannt.

Von Martina Wewetzer

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