Börse berappelt sich und holt kräftig auf

Angst vor der Rezession? - Finanzminister sieht keine Anzeichen 

Turbulente Zeiten an der Börse: Die Bilder zeigen Börsenspezialist Anthony Disser, der sich im Handelssaal der Wertpapierbörse in Frankfurt über das Treiben an der Börse wundert.

Kassel. Allen Unkenrufen zum Trotz hat der Dax am Montag Fahrt aufgenommen und schloss mit nur einem leichten Minus von 0,11 Prozent bei 5473 Punkten. Von einer Trendwende wollten die Experten nicht sprechen. Nach wie vor herrscht Unsicherheit, ob eine Rezession droht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) befürchtet auch nach dem überraschenden Konjunktureinbruch keine Rezession in Deutschland. Können die weltweiten Börsenturbulenzen die reale Wirtschaft mitreißen?

Durchaus. Das ganze läuft wie eine Kettenreaktion ab: Die miesen Börsennachrichten lösen eine Art Schockstarre bei Verbrauchern wie Unternehmern aus. Das hat zur Folge, dass Investitionen verschoben und Gewinnerwartungen reduziert werden.

Was hat dies mit den Verbrauchern zu tun?

Sparer fürchten womöglich um ihre Altersvorsorge, da sie in Versicherungen steckt. Die erwirtschaften aber wiederum ihre Ergebnisse an der Börse. Aus Angst es könnte im Alter nicht reichen, sparen Verbraucher noch mehr. Der Konsum wird deutlich gedrosselt. Die Unternehmen bleiben auf ihren Produkten sitzen. Die Läger füllen sich.

Was ist daran so schlimm, eine zeitlang nicht zu konsumieren?

Nach Ansicht vieler Ökonomen ist es die Signalwirkung. Im schlimmsten Fall droht aufgrund der schlechten Nachrichten eine regelrechte Schockstarre aufgrund der hohen Unsicherheit. In der Financial Times warnt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, davor, dass Haushalte und Unternehmen aufgrund der Turbulenzen ihre Investitionen und größeren Anschaffungen einstellen.

Was bedeutet dies für die Banken?

Banken agieren in diesen Zeiten deutlich vorsichtiger. Zum einen verschlechtern sich ihre Bilanzen, da sich Aktien, die sie selbst im Depot halten, an Wert verlieren. Zum anderen verunsichert eine schlechte Börsenlage auch Banker selbst, wenn sie um Kredite gebeten werden. Im schlimmsten Fall werden sie zögerlich bei der Herausgabe von Geld an Unternehmen wie Privatkunden. Siehe auch nebenstehenden Artikel.

Warum gilt dies auch für Privatpersonen?

Zwar ist die Sparquote in Deutschland recht hoch, aber bei Krediten prüfen Banken sehr genau. Entscheidend ist, ob der Kunde das geliehene Geld jemals zurückzahlen kann. Und dies hängt in den meisten Fällen ganz stark davon ab, wie sicher der Arbeitsplatz des jeweiligen Kunden ist.

Wodurch könnte der eigene Job ins Wanken kommen, wenn der Arbeitgeber gute Gewinne erwirtschaftet hat?

Würde es zu einer Rezession kommen, trifft es alle Unternehmen – die guten wie die schlecht geführten. Denn dann müssen alle Unternehmen sparen, Investitionen verschieben, ihre Gewinnerwartungen zurückschrauben. Das trifft den Schrauben-Lieferanten wie den Bäcker, der vielleicht weniger Brötchen verkauft, weil alle sparen.

Und was wäre davon die Folge?

Wenn alle nur sparen und keiner mehr konsumiert, drohen Entlassungen und das schwächt den Konsum erneut – eine Teufelsspirale setzt sich in Gang.

Von Martina Wewetzer

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