Dioxinskandal belastet auch die hessischen Landwirte

Angst vor Verlusten

Baunatal. Die Landwirte in Nordhessen sind zwar im Skandal um dioxinbelastetes Tierfutter zunächst mit einem blauen Auge davongekommen, befüchten aber einen Imageschaden und damit Absatzeinbußen.

Zehn Höfe im Land, alle in Nordhessen, mussten gesperrt werden. Bis auf einen Schweinemäster im Kreis Hersfeld-Rotenburg seien alle nach einem Tag wieder geöffnet worden, sagte der hessische Agrar-Staatssekretär Mark Weinmeister am Rande der Landwirtschaftlichen Woche Nordhessen in Baunatal. Es sei keine Dioxinbelastung festgestellt worden, die die Grenzwerte überschreitet.

Feuerwehrfonds

Für den Präsidenten des hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, ist der Skandal deshalb nicht ausgestanden. Er forderte einen Feuerwehrfonds, in den alle Futtermittelhersteller einzahlen sollten. Das Geld solle den Landwirten zugute kommen, falls ein Hersteller von belastetem Futter in die Insolvenz gehe. Denn in diesem Fall blieben die Bauern auf dem Schaden sitzen. Die Verursacher müssten jedoch für Verluste der Landwirte geradestehen. Fetthaltiges Futter wird vor allem in der Geflügelzucht und in der Schweinemast eingesetzt. Weil die Futtermittelproduzenten genau dokumentieren müssen, woher sie Rohstoffe beziehen und wohin sie ihre Produkte liefern, sei der Weg bis zum Bauernhof nachvollziehbar gewesen,

Dass Futtermittel knapp werden könnte, wenn belastete Chargen vom Markt genommen werden müssen, befürchtet Schneider nicht: Bundesweit gebe es 1700 Hersteller.

Gegenwärtig ist der wirtschaftliche Schaden durch das Dioxinfutter in Hessen wohl gering. Viel hänge jetzt aber davon ab, wie die Märkte reagierten, sagte der stellvertretende Generalsekretär des hessischen Bauernverbandes, Hans Harpain. Dabei richtet sich der Blick auch ins Ausland: „Wir brauchen den Export“, sagt Schneider. So werde in Deutschland etwa mehr Schweinefleisch erzeugt als gegessen.

Einkommen gesunken

Seit 2077 sind die Einkommen der hessischen Bauern stetig gesunken. Im Wirtschaftsjahr 2009/10 lag es bei monatlich 1858 Euro je Familienarbeitskraft. Davon gehen noch Sozialversicherung, Steuern und Investitionen ab. In diesem Jahr werden die Einkommen höchstens leicht steigen, schätzt Harpain.

Dabei haben sich die Erzeugerpreise wieder erholt, liegen aber noch deutlich unter denen von 2007. Für Getreide und Raps werde deutlich mehr bezahlt, auch die Milchpreise hätten sich verbessert, sagte Schneider. Bei den Höfen setzt sich der Trend zur Größe fort. Von den rund 17 900 Betrieben in Hessen werden nur 32 Prozent im Vollerwerb bewirtschaftet. Dabei nehme nur die Zahl der Höfe zu, die mehr als 100 Hektar Nutzfläche haben.

Die Landwirtschaftliche Woche Nordhessen in Baunatal mit 17 Ausstellern läuft noch bis einschließlich Donnerstag. Erwartet werden rund 3000 Besucher.

Von Barbara Will

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