Roboter statt Berater

Anlagetipps nach Algorithmen: Wie Robo-Advisor funktionieren

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Maschine statt Mensch: Robo-Advisor sind Internetanwendungen, die Verbraucher bei der Geldanlage beraten. Foto: Anna Huber/Westend61/dpa-tmn

Robo-Advisor sagen Anlegern, wie sie ihr Geld investieren sollten. Manche der Computerprogramme verwalten auch gleich das Depot. Doch einige Anlageroboter haben Schwächen.

Stuttgart (dpa/tmn) - Anstatt eines Beraters in Fleisch und Blut machen Robo-Advisor auf Basis von Algorithmen Anlagevorschläge. Der Anleger sitzt dabei vor dem Computer.

Robo-Advisor sind Programme im Internet, die Anlageberatung und -vermittlung anbieten. Sie werden von Banken und spezialisierten Finanzdienstleistern angeboten.

Advisor ist der englische Begriff für Berater. Allerdings sollten sich Verbraucher im Klaren darüber sein: Die Roboter-Berater im Netz sind eher limitiert in ihren Empfehlungen. "Die Programme gehen davon aus, dass Nutzer über ein Wertpapierportfolio Vermögen aufbauen wollen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Advisor funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Anstelle eines Gesprächs füllen Anleger einen Fragenkatalog aus. Es gibt Fragen zum Anlagezeitraum und Anlagebetrag. Auch die Risikobereitschaft des Anlegers ist ein Thema. Diese sei ein kniffliger Punkt, den viele der Anlage-Roboter noch nicht gut gelöst haben, sagt Nauhauser. Es gibt viele Messmodelle.

Das ist einer der Gründe, warum Anleger ein gewisses Grundwissen mitbringen sollten, wenn sie Robo-Advisor nutzen. "Anleger müssen die Vorschläge einschätzen können", sagt Karin Baur von der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest. Laut "Finanztest" kann man drei Kategorien unterscheiden:

Full-Service: Diese Robo-Advisor machen nicht nur einen Anlagevorschlag und vermitteln das Portfolio. Sie verwalten danach das Depot des Anlegers eigenverantwortlich.

Half-Service: Sie funktionieren ähnlich wie Full-Service-Robos. Entscheidender Unterschied: Vor jeder Umschichtung des Depots fragen sie den Anleger um Zustimmung. "Man hat ein bisschen mehr Aufwand", sagt Baur. Aber gleichzeitig behält man das Depot dabei automatisch im Blick.

Self-Service: Das sind reine Tippgeber. "Sie geben teilweise sehr konkrete Depotvorschläge", sagt Baur. Damit könnten Anleger durchaus loslegen und investieren. Self-Service-Robos sind oft kostenlos. Das macht sie zu einer guten Basis zum Informieren.

Wer in Wertpapiere investieren möchte, für den seien Robo-Advisor eine günstigere Alternative zu der "teuren und häufig mangelhaften" Anlageberatung auf Provisionsbasis in Banken, erklärt Nauhauser. "Sie sind schon meist günstiger", bestätigt auch Baur. Höher als 0,5 Prozent sollten Robo-Gebühren ihrer Ansicht nach nicht sein.

Robo-Advisor arbeiten in der Regel mit ETFs. Das steht für Exchange Traded Funds. Diese bilden bestimmte Aktienindizes nach, etwa den Dax oder den MSCI World. Manche Robo-Advisors haben auch Indexzertifikate (ETC) und aktiv gemanagte Fonds in ihrem Produktangebot, andere von ihnen außerdem Tagesgeld.

Ob sich Robo-Advisor hierzulande bei Anlegern durchsetzen werden? In einer Yougov-Umfrage gab zumindest jeder Zehnte an, er könne sich vorstellen, Geld auf Empfehlungen eines Robo-Advisors anzulegen. 30 Prozent wollten das nicht ausschließen. Befragt wurden Menschen, die in Deutschlands Privathaushalten über Finanzen entscheiden oder mitentscheiden. Nur jeder 100. Befragte (1,1 Prozent) hatte schon einmal einen Robo-Advisor genutzt. Die meisten (83 Prozent) hörten in der Umfrage zum ersten Mal von den Anlage-Robotern.

Verbraucherschützer Nauhauser sieht durch die digitalen Anlage-Roboter einen großen Einschnitt. "Sie entzaubern die Anlageberatung, weil sie zeigen, dass das eigentlich eine sehr simple Angelegenheit ist."

Karin Baur sieht kein Ende der klassischen Vermögensberater. Aber die Robo-Advisor werden sich etablieren, glaubt sie. Für die Anbieter sind sie kostengünstig, für Anleger bequem. "Diese Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen."

Robo-Advisors im Test (z.T. kostenpflichtig)

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