Arbeitnehmer immer häufiger krank

Berlin - Der Anteil der Krankgeschriebenen pro Kalendertag steigt bereits im vierten Jahr kontinuierlich an. Die Krankenstandswerte liegen von Januar bis September im Durchschnitt bei vier Prozent.

Das teilte der BKK-Bundesverband am Donnerstag in Berlin mit. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 3,9 Prozent, nach 3,8 Prozent 2008 und 3,7 Prozent 2007. Die gravierendsten Steigerungsraten gibt es laut BKK bei den psychischen Leiden. Arbeitnehmer erkranken daran doppelt so häufig wie noch vor 20 Jahren. Im “Krisenjahr“ fehlten Arbeitnehmer krankheitsbedingt an 14,4 Tagen. 2008 fielen sie einen Tag weniger aus. 2006 wurden mit 12,4 Tagen die wenigsten Krankentage seit 30 Jahren gemeldet. Körperlich belastende Tätigkeiten wie in Bau- und Metallberufen, bei Reinigungskräften wie auch in Verkehrsberufen weisen die höchsten Ausfallzeiten bei den über 55-Jährigen auf. Im Durchschnitt liegen sie bei vier und mehr Krankheitswochen. Dagegen fehlten ältere Führungskräfte, die im Management arbeiten, sowie Techniker oder Ingenieure durchschnittlich nur zwei bis zweieinhalb Wochen im Jahr.

Immer mehr Bundesbürger "haben Rücken"

Allerdings gibt es der Krankenkasse zufolge auch bei höher qualifizierten Berufen einen Aufwärtstrend bei den Fehlzeiten. Derzeit ist jeder achte männliche Ingenieur über 55 Jahre alt und erkrankte 2009 im Schnitt rund 18 Tage im Jahr. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr fast eine Verdopplung der Krankheitstage. “Ursachen hierfür könnten in ständig wachsenden Leistungsanforderungen und Restrukturierungen der Unternehmen liegen“, erklärte die BKK. Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei Rechnungskaufleuten oder Datenverarbeitern über 55 Jahren - nämlich einen Anstieg von etwa vier Tagen auf 19,4 Arbeitsunfähigkeitstage.

Bei näherer Betrachtung häufiger Erkrankungen über die Altersgruppen fällt auf, dass Rückenleiden bereits bei den 35- bis 39-Jährigen signifikant zunehmen. Gegenüber der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen sind mehr als doppelt so viele Mittdreißiger (63 Prozent) wegen Rückenproblemen arbeitsunfähig. Bei den über 55-Jährigen fallen aufgrund von chronischen Beschwerden mehr als dreimal so lange Krankheitszeiten wegen Rückenleiden an. Wie die ambulanten Arztdaten der BKK zufolge zeigen, beginnen diese Beschwerden vor allem wegen Bewegungsmangels oft schon in jungen Jahren. Jeder zehnte junge Mann zwischen 15 und 25 Jahren und fast jede siebte junge Frau (13,4 Prozent) dieser Altersgruppe gingen wegen Rückenschmerzen zum Arzt. Die Herz- und Kreislauferkrankungen nehmen - besonders bei Männern - im Alter um die 40 zu. Gegenüber den Mittzwanzigern sind die 40-Jährigen im Schnitt doppelt so häufig deswegen krank.

dapd

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