Bericht über massenhafte Mängel

„Sie schämen sich“ - Tagesthemen-Kommentator findet klare Worte über die Bahn

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Vernichtendes Urteil über die Bahn: Tagesthemen-Kommentar von Matthias Deiß

Jetzt reicht es: vier von fünf ICEs sind nicht voll funktionsfähig. In seinem Kommentar in den Tagesthemen rechnet Matthias Deiß nun gnadenlos mit der Deutschen Bahn ab. Doch auch der Bund kommt nicht ungeschoren davon. 

München - Verspätungen, Ausfälle, Defekte - immer wieder sorgt die Bahn für Ärger bei ihren Gästen. Vor knapp 25 Jahren begann die Reform, besonders in Erinnerung bleibt sicher die Privatisierung der Deutschen Bahn. Ein misslungenes Unternehmen, wie viele urteilen. 

So auch Matthias Deiß. Sein Kommentar in den Tagesthemen vom Donnerstag in der ARD fällt ein vernichtendes Urteil. „Unsere Bahn fährt am Abgrund“, sagt er über den Zustand des Unternehmens - und Gründe dafür findet er genug.

Deutsche Bahn: Kaum ein ICE ohne Mängel

So wurde vor Kurzem bekannt, dass nur jeder fünfte ICE die Werkstätten der Bahn ohne Mängel verlässt. Der Bahn mangelt es dort offenbar an Personal und an Zeit, die Züge wieder vollständig zu reparieren, stattdessen schickt sie diese so auf die Strecke. Den Mitarbeitern dort muss das peinlich sein. „Sie schämen sich“, sagt Deiß.

Schon lange wissen die Kunden und Fahrgäste, in welchem Zustand die Bahn unterwegs sein muss. Zu eklatant sind die Verspätungen und Probleme, die immer wieder auftreten. Doch nachdem eine eigentlich bahninterne Analyse an die Öffentlichkeit gelangte, kann dies nun jeder auch schwarz auf weiß nachlesen. „Still und heimlich haben die Manager die selbst gesteckten Ziele in puncto Pünktlichkeit auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben“, urteilt Deiß. Es sei „das Eingeständnis einer Kapitulation“.

Tagesthemen-Kommentar: Deutsche Bahn „für die Misere selbst verantwortlich

„Wer tausende Stellen nicht besetzt, dringend benötigte Züge nicht bestellt, die Wartung des Netzes vernachlässigt“, hält er fest, „der ist für die Misere selbst verantwortlich.“ Für Deiß ist offenkundig: Die langfristige Planung der Bahn hat versagt, Geld wurde falsch oder gar nicht ausgegeben, obwohl das dringend nötig gewesen wäre. Jetzt steht das Unternehmen eben so schlecht da, wie es gerade der Fall ist.

Doch die Schuld bei der Bahn selbst zu suchen, ist ihm zu einfach: Auch der Bund bekommt sein Fett weg. Im Zentrum der Kritik: Das riesige Bauprojekt Stuttgart 21. Solche Pilotprojekte „statt Geld fürs Schienennetz“ oder den „Ausbau der deutschen Verkehrsknoten“ prangert Deiß an. 

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Mit das Frustrierendste an der Lage: Die neuesten Recherchen zeigen, dass die Bahn kaum ein Mittel hat, um die Missstände zu beheben. Schon jetzt frustrieren die Probleme die Fahrgäste. „Jetzt wissen wir, es wird noch lange so bleiben“, sagt Deiß. Für ihn ist das nicht haltbar. Ganz im Jargon der Bahnfahrer bilanziert er: „Höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen.“

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chp

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