Kasseler Werk für Hochspannungs-Schaltanlagen wechselt Eigner – Jobs sind sicher

Aus Areva wird Alstom

Ab Januar wird für Alstom gearbeitet: Der französische Konzern kaufte die Kasseler Areva Energietechnik zurück, die er vor einigen Jahren an Areva abgegeben hatte. Das Foto zeigt Frank Függe beim Prüffeld für Schaltanlagen. Foto: Schachtscheider

Kassel. Die Areva Energietechnik GmbH in Kassel mit 390 Beschäftigten wird zum Jahresbeginn Teil des französischen Alstom-Konzerns. Die Jobs sind sicher: Ein Standortsicherungsvertrag für die Areva-Sparte T & D (Transmission and Distribution – Übertragung und Verteilung) schützt die europäischen Werke und ihre Mitarbeiter bis März 2013 vor betriebsbedingten Kündigungen, so auch die Nordhessen, sagt Dieter Stieg, Betriebsratsvorsitzender in Kassel.

Ab Januar laufen an dem Standort Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Hochspannungsschaltgeräten bis 170 Kilovolt unter dem Namen Alstom Grid GmbH. Die Schaltgeräte unterbrechen bei einem Kurzschluss im Hochspannungsnetz die Stromzufuhr. Abnehmer sind in erster Linie Energieversorger. Die Spannung von 170 Kilovolt ist fast 8000 Mal so hoch wie in einer normalen Steckdose.

Die neue Netzsparte Alstom Grid setzt mit weltweit 20 000 Mitarbeitern 3,5 Milliarden Euro um. Die beiden anderen Standbeine des französischen Konzerns, Energieerzeugung und Transport, bringen es nach Unternehmensangaben auf 13,9 und 5,8 Mrd. Euro.

Die Netzsparte, die in Deutschland 1400 ehemalige Areva-Beschäftigte aufnehmen wird, bleibt von dem Personalabbau verschont, der im Konzern 4000 Stellen kosten soll. Die Kasseler hingegen sind nach Worten Stiegs gut aufgestellt. In diesem Jahr wird das Werk mit Produktion 60 Millionen, mit dem Service weitere 20 Mio. Euro umsetzen, sagt Dirk Albrecht, Geschäftsführer des Service-Bereichs. Damit liege man in etwa auf Vorjahresniveau.

„Perle gekauft“

„Alstom hat eine Perle gekauft“, sagt Oliver Dietzel, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Nordhessen. Etwa zwölf Prozent des Umsatzes bleiben in Kassel als Gewinn vor Zinsen und Steuern übrig, so Albrecht. Bis 2014 soll der Service-Umsatz von bisher 20 auf 25 Mio. Euro zulegen. Das Ergebnis der Produktion hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich das neueste Produkt der Kasseler durchsetzt: eine besonders kompakte Schaltanlage, deren neueste Variante Gefrierfachtemperaturen bis zu 45 Grad unter Null erträgt.

Umsatz verspricht auch das Geschäft mit erneuerbaren Energien. Das Unternehmen hat bereits fünf Aufträge für Windkraftanlagen in der Nord- und Ostsee erhalten. Ein weiterer Pluspunkt für Nordhessen: Hier wird nicht nur montiert, sondern auch getüftelt. Im Hochspannungsinstitut ist die konzernweite Entwicklungsarbeit für Schaltgeräte mit einer Spannung von 36 bis 500 Kilovolt angesiedelt.

2,3 Mrd. Euro hat Alstom für die Energieübertragungs- Aktivitäen von Areva bezahlt. Übernommen wurde nur das Hochspannungsgeschäft, zu dem die Kasseler gehören. Die Mittelspannungssparte ging an die französische Schneider Electric. Diese übernimmt eine Kasseler Areva-Vertriebsniederlassung mit 30 Mitarbeitern. Alstom Grid will in Kassel das Servicegeschäft ausbauen, das bisher 90 der 390 Mitarbeiter beschäftigt.

Von Barbara Will

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