Diskussion um Abgas-Skandal bei VW: Auch beim Verbrauch wird getrickst

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Wer verbraucht am wenigsten? Der europäische Fahrzyklus NEFZ soll ersetzt werden. Archivfoto: Berger

Wer sich über geschönte Abgaswerte empört, der kommt auch an Spritverbrauchsangaben nicht vorbei, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben. Ein Überblick.

Das Messprogramm, mit dem Autobauer ihre Prospektangaben beziffern, heißt seit 1992 NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Es ist seit langem umstritten, weil es zu Verbrauchswerten führt, die mit Autofahren im Alltag wenig zu tun haben: Was Motoren wirklich fressen, liegt im Regelfall deutlich drüber.

NEFZ soll durch das neue WLTP-Verfahren (World-Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) ersetzt werden. Das liegt näher an der Alltagswahrheit. In der EU soll WLTP ab 2017 schrittweise eingeführt werden. Experten schätzen, dass WLTP die Spritverbrauchswerte um 25 Prozent hochschnellen lässt.

Der Autoclub Europa (ACE) vergleicht seit Jahren Verbrauchsangaben der Autoreklame mit Werten, die ACE-Testpiloten auf einer festgelegten Normrunde fahren: Genau 221 Kilometer weit - kreuz und quer durch Stuttgart und Ludwigsburg, dann auf die Autobahn, möglichst mit Tempo 120, zum Schluss fast 100 Kilometer Landstraße, wo machbar mit Tempo 80. Start ist immer morgens um 10 Uhr.

ACE-Zwischenbilanz aus dem Jahr 2013 nach Touren mit fast 100 Automodellen

Die Verbrauchswerte lagen im Schnitt bei 5,3 Litern/100 km - das waren im Mittel 13,4 % mehr als die Hersteller angegeben hatten.

Spitzenreiter beim Spritdurst, die im ACE-Test Herstellerangaben um über ein Drittel übertrafen:

• Ford Galaxy 2.0 TDCi NEFZ: 5,7 l Diesel, ACE-Wert: 7,9 l (+ 38,6 %)

• VW Sharan 2.0 TDI NEFZ: 5,5 l Diesel, ACE-Wert: 7,6 l (+ 38,2 %).

Autos, die weniger verbrauchten als im Prospekt, gab es: 

• Renault Twingo 1.2 5,7 l Super / 5,1 (- 10,5 %) • VW Tiguan 2.0 TDI Track&Field 6,6 l Diesel / 6,0 (- 9,1 %)

Liste von 91 Testkandidaten des ACE

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