Volkswagen will einen E-Antrieb für alle Marken – Wolfsburg und Ingolstadt sind uneins

Audi setzt auf den Wankelmotor

1 Läuft der Kolben (rot) am Einlassschlitz vorbei, wird das Kraftstoff-Luft-Gemisch angesaugt. 2 Bei der weiteren Drehung des Kreiskolbens wird der Arbeitsraum kleiner und das Kraftstoff-Luft-Gemisch verdichtet. Dabei ewärmt es sich. 3 Wenn das Gemisch die Zündkerze passiert hat, wird es gezündet. Die bei der Verbrennung frei werdende Wärme führt zur Druckzunahme, der Kreiskolben dreht weiter und vergrößert dabei das Brennraumvolumen. Im Gegensatz zum Hubkolbenmotor geht diese Energie direkt in eine Drehbewegung über. 4 Danach wird das Abgas ausgestoßen.

Wolfsburg/Ingolstadt. Beim Thema Elektromobilität knirscht es im Volkswagen-Konzern, denn Audi will ein eigenes Konzept bei den E-Antrieben durchsetzen.

Dabei setzt die VW-Tochter auf einen Wankelmotor, der als Range Extender (Reichweitenverlängerer) die Leistung der Batterie puschen soll. Volkswagen hingegen will einen Einheitsantrieb für Elektro- und Hybridfahrzeuge aller Marken – von VW, über Audi, Seat und Skoda.

Das Kalkül der Wolfsburger ist, dass so viele Teile wie möglich zwischen den einzelnen Marken ausgetauscht werden können. Dadurch würden die Kosten deutlich gedrückt. Der Antrieb für das erste reine E-Auto – den E-Up, der 2013 auf den Markt kommt – wird im VW-Werk Kassel in Baunatal gebaut. In der Wolfsburger Konzernzentrale werde der Alleingang der Ingolstädter nicht gern gesehen, hatte ein Insider der Financial Times Deutschland gesagt.

Zum Zuge kommen würde der E-Antrieb mit Range Extender ab 2013 beim Audi A1-E-Tron. Bislang wurde dieses Fahrzeug nur als Studie oder Prototyp auf Autoschauen gezeigt. Eine grundsätzliche Entscheidung über eine Serienfertigung ist bislang noch nicht gefallen. Sie steht aber im Februar auf der Tagesordnung der Audi-Vorstände.

Imageschaden?

Die Ingolstädter befürchten, dass der Werbeslogan von einst „Vorsprung durch Technik“ an Bedeutung verliert und dass ein Einheitsantrieb dem Image als Premiummarke schaden würde. Bei Volkswagen sieht man es gelassen. „Bei uns wird immer in alle Richtungen experimentiert“, heißt es aus dem Konzern.

Der kleine Wankelmotor würde beim E-Tron nicht für den Antrieb benutzt, sondern einzig dafür um die Batterie aufzuladen. Das hätte den Vorteil, dass die Batterie deutlich kleiner (150 Kilogramm) und auch günstiger wäre. Einzig mit Batterie-Antrieb schafft der E-Tron eine Distanz von 50 Kilometern im Stadtverkehr. Auf längeren Strecken könnte die Reichweite des Fahrzeugs gestreckt werden, da die Batterie über den Wankelmotor stetig geladen werden kann.

Damit könnte Audi die größten Baustellen aller Autohaersteller bei der Entwicklung von E-Fahrzeugen in den Griff bekommen. Ob der Audi A1 E-Tron, der über eine 102 PS-Maschine (75 kW) verfügt, dadurch aber auch wesentlich günstiger für den Endkunden wird, lässt sich noch nicht sagen.

Hintergrund: Audi A1 E-Tron

Als Range Extender (Reichweitenverlängerer) bezeichnet man zusätzliche Aggregate in einem Elektrofahrzeug, die die Reichweite des Fahrzeugs – also der Batterie – erhöhen. Range Extender sind Verbrennungsmotoren, die einen Generator antreiben, der Akkus und Elektromotor mit Strom versorgt. Bei der Studie des Audi A1 E-Tron (Foto) ist es ein kleiner Wankelmotor. Vorteile: geringer Platzbedarf und vibrationsarmer Lauf. Diese Motoren standen lange im Verdacht Kraftstoffschlucker zu sein – 16 Prozent mehr als vergleichbare Verbrennungsmotoren. Über den Audi-Verbrauch ist nichts bekannt. Der Tank hat ein Volumen von zwölf Litern.

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