Carl Zeiss MicroImaging baut in Göttingen Mikroskope – viel ist Handarbeit

Das Auge der Forscher

Produktion mit Augenmaß: Der Mikroskop-Bau bei Zeiss ist zum Teil Handarbeit. Hier reinigt und kontrolliert Else König Linsen. Foto: Will

Göttingen. Das Mikroskop „von der Stange“ gibt es nicht. In Baukastenweise werden die Geräte im Göttinger Werk der Carl Zeiss MicroImaging GmbH individuell auf die Abnehmer ausgerichtet. Es ist ein kompliziertes Puzzle: Rund 17 000 verschiedene Bauteile werden dafür im Monat gebraucht, sagt Wilhelm Nörthemann, Mitglied der Geschäftsführung der Carl Zeiss MicroImaging GmbH.

Bis zu 30 000 Licht- und Stereomikroskope pro Jahr gehen von Göttingen jährlich in alle Welt. Viele davon sind eher einfach zu handhabende und robuste Geräte für Ausbildung und Routinearbeiten in Labors und Universitäten. Hinzu kommen Spitzengeräte für die Forschung. „Wir müssen das volle Sortiment bieten“, sagt Nörthemann.

Präzisionsarbeit

Dieses Sortiment entsteht in viel Handarbeit – und die verlangt Präzision, von den Einstellrädern, die sich sanft drehen lassen bis zu den Linsen, von denen bis zu einem Dutzend für ein Objektiv gebraucht werden. Dieser Aufwand wird schon mal preisgekrönt: Für das Mikroskop Primo Vert erhielt Zeiss den reddot product design award 2010, einen weltweit renommierten Designerpreis.

Die Anforderungen der Kunden sind hoch. Die Mitarbeiter, die für Zeiss Spitzenmikroskop-Systeme mit einem mitunter sechsstelligen Preis verkaufen, verhandeln mit Wissenschaftlern und führen nicht selten einen Doktortitel in Physik oder Biologie.

Wer mit Spitzenmikroskopen in die Welt der kleinsten Teilchen eintaucht, kann Zellen ins Innerste schauen: Unter 600facher Vergrößerung zeigen sie bizarre Strukturen, in verschiedenen Farben ausgeleuchtet. Der Kunststoffkasten, der den Mikroskoptisch umschließt, sorgt für immer gleiche Luftfeuchtigkeit und Temperatur, nur so bleiben Ergebnisse vergleichbar. Forschungseinrichtungen leisten sich solche Einblicke. Die Neugier der Wissenschaftler hat die Carl Zeiss MicroImaging, eine 2006 selbstständig gewordene Tochter der Carl Zeiss AG (Oberkochen) mit 1700 Mitarbeitern, unbeschadet durch die Wirtschaftskrise gebracht. Denn während die Bestellungen von Mikroskopen und Software für die Industrie leicht sanken, legten die Anwendungen für Forschungseinrichtungen zu. Der Umsatz der Mikroskopie-Sparte, die außer in Deutschland auch in Russland und China produziert, wuchs im Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) um acht Prozent auf 365 Millionen Euro. Detaillierte Ertragsangaben macht der Mikroskopbauer, der sich den Weltmarkt von 1,8 Milliarden Euro im wesentlichen mit Olympus, Leica und Nikon teilt, nicht. Das Ergebnis sei positiv gewesen, sagt Nörthemann. Von den drei Standorten Göttingen, Jena und München ist das niedersächsische Werk mit 650 Mitarbeitern das größte. Die Belegschaft soll stabil bleiben. Und sie wird ihre Präzision an immer neuen Modellen üben: 70 Prozent des Umsatzes macht Carl Zeiss MicroImaging mit Produkten, die jünger sind als drei Jahre.

Von Barbara Will

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