Frauenquote: Scharfe Kritik an Ackermann

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Deutsche Bank-Chef Ackermann findet, mit mehr Frauen in Top-Positionen wäre es “farbiger“ und “schöner“ - und erntet für diese Aussage viel Kritik.

Berlin - Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann findet, mit mehr Frauen in Top-Positionen wäre es “farbiger“ und “schöner“ - und erntet für diese Aussage viel Kritik. Grünen-Chefin Roth reagierte empört.

Die großen Konzerne in Deutschland lehnen eine verbindliche Quote für mehr Frauen im Topmanagement sowie gesetzliche Vorgaben ab. Allerdings wollen sie in den nächsten Jahren den Anteil von Frauen in Führungspositionen zum Teil deutlich erhöhen, wie eine dpa-Umfrage ergab. Die Unternehmen wollen Frauen gezielter fördern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Zwar ist bei den Unternehmen der Anteil von Frauen in Führungspositionen der mittleren Führungsebene in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Chefetagen, vor allem Vorstand und Aufsichtsrat, sind aber weiterhin fest in Männerhand. In Politik und Wirtschaft wird derzeit intensiv darüber diskutiert, wie mehr Frauen in Top-Positionen gebracht werden können.

Dabei stoppte Kanzlerin Angela Merkel einen Vorstoß von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU), eine 30-Prozent-Quote für große Unternehmen einzuführen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist für eine “gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung“, wenn es bis 2013 nicht gelungen ist, den Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten zu verdreifachen. Gesetzliche Vorgaben und Quoten aber lehnen die Unternehmen ab. “Eine allgemeine, gesetzliche Quotierung hilft nicht weiter“, hieß es etwa bei der Lufthansa. “Es geht um die Qualifikation und nicht um die Quote“, sagte ein Sprecher des Industriegase-Spezialisten Linde. Eine BASF-Sprecherin sagte, von Quoten, welcher Art auch immer, halte der Chemiekonzern nichts: “Bei der BASF muss die Qualifikation eines Mitarbeiters auf die zu besetzende Stelle passen - unabhängig von Nationalität oder Geschlecht.“

Wie bei anderen Konzerne hieß es auch bei der Deutschen Bank, das Institut sei sehr stark interessiert, Frauen in Führungspositionen zu haben - 2009 lag der Anteil bei rund 16 Prozent. Im Vorstand der Bank seien Frauen zwar noch Fehlanzeige, räumte Vorstandschef Josef Ackermann am vergangenen Donnerstag ein, aber: “Wir hoffen, dass das irgendwann auch der Fall sein wird, und dass das dann auch farbiger sein wird - und auch schöner.“

Diese Aussagen jedoch sorgten für erzürnte Reaktionen - Grünen-Chefin Claudia Roth etwa sagte: “Das ist das alte Denken der Männer, die nicht verstehen, dass wir die bestausgebildete Frauengeneration aller Zeiten haben.“ Roth bot Ackermann eine Hospitanz bei den Grünen an: “Er kann lernen, wie sich Schönheit und Buntheit durch eine konsequente Quote durchsetzen.“

Und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem “Handelsblatt“: “Wer es farbiger und schöner mag, soll auf eine Blumenwiese gehen oder ins Museum.“ Viele Konzerne wollen den Anteil von Frauen im Top-Management in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Einzelne Unternehmen haben sich feste Ziele gesetzt. So will der Versorger Eon den Anteil weiblicher Führungskräfte, der derzeit bei 11 Prozent liegt, mehr als verdoppeln. Vielfalt in der Belegschaft und mehr Frauen in Führungsverantwortung führe zu höherer Kreativität und besseren Ergebnissen. “Wir sprechen also über einen Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor, bei welchem staatlicher Dirigismus in Form einer bürokratischen Quotenverpflichtung nicht zielführend wäre.“ Entscheidend sei “Motivation und Eigeninitiative.“

Eon hat mit Regine Stachelhaus als eines der wenigen Dax-Unternehmen ein weibliches Vorstandsmitglied. Auch beim Softwarekonzern SAP gibt es eine Frau im Vorstand - Personalchefin Angelika Dammann. Sie sagt: “Untersuchungen zeigen, dass mehr Frauen in Führungspositionen und generell in Unternehmen sich positiv auf den Unternehmenserfolg auswirken. Es wäre allerdings schade, wenn man dies durch eine strikte Quote regeln müsste.“ Wichtig sei vielmehr, Frauen gezielt zu fördern und gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Bei Siemens haben es bereits zwei Frauen nach ganz oben geschafft: Nach Barbara Kux, die 2008 als erste Frau ins Top-Management bei Siemens einzog, gelang im vergangenen Jahr auch Brigitte Ederer dieser Karrieresprung - damit ist ein Viertel des Vorstandes weiblich. Insgesamt stieg der Anteil der weiblichen Führungskräfte seit 2002 weltweit von knapp 9 auf 14 Prozent, er soll weiter erhöht werden.

Beim Waschmittel- und Klebstoff-Riesen Henkel steht sogar eine Frau an der Spitze des Aufsichtsrats - die Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah. Der Anteil von Frauen in Top-Positionen der mittleren Führungsebene liegt aktuell bei 28,5 Prozent und soll weiter steigen. Damit künftig mehr Frauen an Schaltstellen sitzen, wollen die Unternehmen an unterschiedlichen Stellen ansetzen. Weibliche Nachwuchsführungskräfte sollen gezielt gefördert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden, wie es etwa beim Pharma- und Chemiekonzern Merck hieß. Der Stuttgarter Autobauer Daimler will den Anteil von Frauen in leitenden Führungspositionen von derzeit acht Prozent bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent erhöhen - mit Maßnahmen wie flexiblen Arbeitszeitmodellen und betrieblicher Kinderbetreuung.

dpa

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