Fleisch unter der Sauerstoffdusche aufgehübscht

Foodwatch rügt Lebensmittelketten: Außen rosig, innen ranzig

Berlin / Kassel. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch (Berlin) wirft den großen Lebensmittelketten Aldi Nord, Rewe, Marktkauf und Lidl vor, Verbraucher beim Fleischkauf über den Ladentisch zu ziehen: Die frisch aussehende Ware aus der Selbstbedienungstheke sei mit Gas behandelt.

Das Resultat der Kosmetik laut foodwatch: Außen rosig, innen minderwertig.

? Warum und womit wird Fleisch begast?

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!Es geht um Fleisch, das „unter Schutzatmosphäre“ verpackt ist. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich unterschiedliche Mischungenvon Sauerstoff, Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff. Ein hoher Sauerstoffgehalt lässt das Fleisch lange hellrot und damit frisch aussehen. CO2 unterdrückt ab einer Konzentration von etwa 20 Prozent bestimmte Keime. Schweinefleisch hält sich so etwa zehn bis zwölf Tage.

? Was ist der Nachteil dieses Verfahrens?

!Das Sauerstoff-Fleisch hat weniger Geschmack, wird schnell zäh und schlagartig ranzig, warnt das bundeseigene Max Rubner-Institut in Karlsruhe. Eine weitere Folge der Sauerstoff-Behandlung: Weil dieses Fleisch schon bei recht niedrigen Temperaturen braun wird, können Verbraucher nicht erkennen, ob es wirklich genügend durchgegart ist, um Keime abzutöten.

? Foodwatch testete unterschiedliche Fleischproben. Wie war das Ergebnis?

! Aldi, Marktkauf (Edeka) und Lidl boten begastes Fleisch in Selbstbedienungstheken an. Der Sauerstoffgehalt lag bei 60 bis 80 Prozent. In der Atemluft sind etwa 21 Prozent Sauerstoff enthalten. Daneben fanden sich CO2-Konzentrationen von sieben bis 33 Prozent unter der Verpackungsfolie. In der Atemluft sind es 0,037 Prozent.

? Können Verbraucher erkennen, wie das Fleisch behandelt wurde?

!Nein. Das Fleisch, das in Plastikschalen meist auf einer Vlies- oder Saug-Einlage liegt, muss nur den Hinweis tragen „unter Schutzatmosphäre verpackt“. Welches Gasgemisch sich dahinter verbirgt, ist nicht ersichtlich.

? Was sagen die Politik und die Unternehmen dazu?

!„Es besteht keine Gesundheitsgefahr, wenn das frisch verpackte Fleisch mit einem bestimmten Gasgemisch angereichert wird“, erklärt das Bundesverbraucherministerium.

? Wie reagieren die Lebensmittelketten?

!Eine MAP-Verpackung, so die Fachbezeichnung für die Gasatmosphäre, „unterdrückt die Keimflora und damit der Qualitätssicherung“, erklärte etwa Edeka. Lidl und Aldi äußerten sich bislang nicht.

Weitere Informationen mit einer Liste der Testergebnisse finden Sie hier:

Foodwatch: Frische-Illusion mit Nebenwirkungen
Foodwatch: Fleischmarkt unterm Sauerstoffzelt

Von Barbara Will

Hintergrund: So testete Foodwatch

Foodwatch untersuchte 154 Proben von „unter Schutzatmosphäre“ verpacktem Frischfleisch. Sie stammen von 17 verschiedenen Rind- und Schweinefleischprodukten, darunter Hackfleisch, Schweineschnitzel, Rindergulasch und -rouladen. Eingekauft wurde bei Aldi Nord, Lidl, Marktkauf (Edeka) und Rewe in Nordrhein-Westfalen. (wll)

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