Aussichtslose Bewerbung: Behinderten steht Entschädigung zu

+
Ein Bewerber mit Behinderung hat bei einem öffentlichen Arbeitgeber Anspruch auf ein Vorstellungsgespräch. Abschreckungsversuche sollte der Arbeitgeber unterlassen. Foto: Monique Wüstenhagen

Stuttgart (dpa/tmn) - Bewirbt sich jemand mit Schwerbehinderung auf eine freie Stelle im öffentlichen Dienst, steht ihm ein Vorstellungsgespräch zu. In einem Fall sprach der Arbeitgeber die Einladung jedoch nur halbherzig aus - er musste eine Entschädigung zahlen.

Ein schwerbehinderter Bewerber darf nicht mit dem Hinweis zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, dass seine Bewerbung kaum Aussicht auf Erfolg hat. Ist das der Fall, hat er Anspruch auf Entschädigung. Darauf weist der Deutsche Anwaltverein hin. Er bezieht sich dabei auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Az.: 1 Sa 13/14).

In dem verhandelten Fall hatte sich ein schwerbehinderter Mann bei einem Landkreis auf eine Stelle als Projektmanager beworben. Zu den geforderten guten Fremdsprachenkenntnissen machte er keine Angaben. Der Landkreis lud ihn zu einem Vorstellungsgespräch ein. Gleichzeitig fragte er an, ob der Bewerber das Gespräch trotz der geringen Erfolgsaussicht seiner Bewerbung und der weiten Anfahrt wünscht. Hierauf äußerte sich der Mann nicht. Er erschien auch nicht zum später angesetzten Vorstellungsgespräch. Nach der Ablehnung seiner Bewerbung forderte er eine Entschädigung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz.

Mit Erfolg. Öffentliche Arbeitgeber seien dazu verpflichtet, Bewerber mit einer Schwerbehinderung zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Hier lasse die ausgesprochene Einladung jedoch eine Benachteiligung wegen der Behinderung vermuten. Der Hinweis auf die geringen Erfolgsaussichten habe eine abschreckende Wirkung. Der öffentliche Arbeitgeber müsse den schwerbehinderten Bewerber auch dann zu einem Vorstellungsgespräch einladen, wenn dieser nach den Unterlagen nicht in die nähere Auswahl kommt. Er soll die Gelegenheit erhalten, den potenziellen Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch von seiner Eignung zu überzeugen.

Im vorliegenden Fall habe die Eignung für die Stelle außerdem scheinbar nicht grundsätzlich gefehlt. Der Landkreis habe den Mann trotz der nicht nachgewiesenen Fremdsprachenkenntnisse für ein Vorstellungsgespräch in Betracht gezogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.