Austauschbar: Vollstrecker darf Erben nicht beleidigen

+
Ein testamentsvollstrecker darf den Erben nicht beleidigen - im Zweifel kann er ausgetauscht werden. Foto: Jens Büttner (Archivbild)

Erben haben ein Recht auf faire Behandlung - das gilt auch für den Testamentsvollstrecker. Laut einem aktuellen Urteil darf dieser im Zweifel auch entlassen werden.

Berlin (dpa/tmn)- Ein Testamentsvollstrecker hat den Willen des Verstorbenen umzusetzen und den Nachlass für die Erben zu verwalten und auseinanderzusetzen. Handelt er pflichtwidrig, kann das Nachlassgericht ihn auf Antrag entlassen.

Eine grobe Beleidigung der Miterben kann ausreichen. Die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet über ein Urteil des Kammergerichts (KG) Berlin (Az.: 6 W 112/15).

In dem verhandelten Fall hatte ein Testamentsvollstrecker sich abfällig über die Witwe des Verstorbenen geäußert. Er hatte die Behauptung einer früheren Partnerin des Erblassers wiedergegeben, die erbende Witwe habe sich auf eine sexuelle Beziehung mit dem Erblasser nur aus finanziellen Gründen eingelassen. Daraufhin beantragte die Witwe beim Nachlassgericht, den Testamentsvollstrecker zu entlassen. Dieses kam dem nach. Der Testamentsvollstrecker hielt das für ungerechtfertigt. Schließlich habe er nur die Äußerung eines anderen wiederholt. Damit sei nicht gesagt, dass er der gleichen Meinung ist.

Ein Testamentsvollstrecker kann entlassen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, befand das Gericht. Als Beispiel hierfür nennt das Gesetz eine grobe Pflichtverletzung oder die Unfähigkeit des Testamentsvollstreckers. Das KG entschied, dass diese Gründe nicht die einzigen sind, die eine Entlassung rechtfertigen. Auch andere Sachverhalte können genügen, wenn sie ähnlich schwer wiegen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn anzunehmen ist, dass der Erblasser den Testamentsvollstrecker bei Kenntnis von dem Verhalten nicht ernannt hätte. Bei einer Ehrverletzung sei dies anzunehmen.

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.