Auto fahren und das Klima schonen

Uwe Schilling, TÜV Hessen: „Diese Plakette bekommt jeder.“ (Foto/Repro: Polk)

Durch Autofahren das Klima schützen – das scheint erstmal ein Widerspruch zu sein. Ist es nicht, meint Uwe Schilling vom TÜV Hessen. Seit Dezember 2011 können nämlich Autofahrer mit Hilfe des TÜV Projekte unterstützen, die das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) neutralisieren. „Wir bieten unseren Kunden eine Plakette an, die sich am tatsächlichen CO2-Ausstoß ihres Fahrzeugs orientiert“, sagt Schilling. Die Kosten kommen einem Projekt zugute, welches CO2 bindet und in Sauerstoff umwandelt. Derzeit gibt es das Angebot nur beim TÜV Hessen.

Klimaneutralität heißt das Stichwort. Damit ist die Tatsache gemeint, dass die Beeinflussung des Klimas eine globale Angelegenheit ist. Egal, wo auf der Welt Schadstoffe entstehen oder wo sie vermieden werden: Alles wirkt sich auf das Klima aus. Für einen Klimawandel sorgt seit Jahren der so genannte Treibhauseffekt. Normalerweise kann Wärme von der Atmosphäre rund um den Globus ins Weltall zurückgestrahlt werden. Bestimmte Gase, an erster Stelle das Kohlendioxid, verhindern das. Die Hitze staut sich wie unter einem Treibhausdach, daher der Name. Die Folgen sind extreme Wetterlagen. Überschwemmungen, Dürren und Wirbelstürme zerstören Städte und verwüsten ganze Landstriche.

Dass durch Autofahren und die damit verbundene Verbrennung von Treibstoffen klimaschädliches Kohlendioxid produziert wird, ist sattsam bekannt. Am Fahrverhalten vieler Autofahrer und dem Status eines Autos als Symbol für Mobilität und Wohlstand hat sich trotzdem kaum etwas geändert. Die Vermeidung von Autofahrten als Beitrag zur Verminderung von CO2-Emissionen kommt für eine große Zahl von Fahrern nicht in Frage, sei es, weil sie auf die flexible Mobilität mit ihrem Fahrzeug angewiesen sind oder weil es für sie eine Frage der Lebensqualität ist.

Jeder kann einen Beitrag leisten

Auf Nordhessens Straßen fahren etwa eine Millionen Autos, schätzt Schilling. „Jährlich werden bei uns ungefähr 130 000 Fahrzeuge zur Hauptuntersuchung vorgeführt“, sagt der Leiter Sales & Marketing des Geschäftsbereichs Auto beim TÜV Hessen. Jeder Fahrer könne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, angefangen bei regelmäßigen Abgasuntersuchungen sowie durch eine verbrauchsschonenden Fahrweise bis hin zur Nutzung schadstoffarmer Fahrzeuge mit geringem CO2-Ausstoß.

Plakette für Neutralisierung

Und jetzt auch durch den Erwerb einer Plakette, die ein sichtbares Zeichen für die Neutralisierung einer bestimmten Menge an CO2 ist. Klimaneutralstellung nennen das die Fachleute. Wie hoch diese Menge ist, bestimmt der Fahrer selbst: Er gibt beim TÜV Hessen die Fahrleistung in Kilometern an, für die der entstandene CO2-Ausstoß neutralisiert werden soll. Je nach Fahrzeugleistung errechnen sich daraus die Kosten. In einer Tabelle sind drei Fahrzeugklassen erfasst.

Beispiel: Ein Kraftfahrzeug mit bis zu 109 PS produziert bei einer Fahrleistung von 10 000 Kilometern rund 1,63 Tonnen Kohlendioxid. Um diesen Schadstoffausstoß zu neutralisieren, investiert der Fahrer 37,90 Euro. Jeder kann die Schadstoffmenge, die sein Fahrzeug produziert, im Fahrzeugschein nachlesen. „Wir wollten ein transparentes, nachvollziehbares System“, sagt Uwe Schilling.

Mit der Plakette unterstützen die TÜV-Hessen Kunden ein Klimaschutzprojekt in Togo. Dort macht man sich die Gegebenheit zunutze, dass bestimmte Pflanzen die Fähigkeit haben, CO2 zu binden. Eine davon ist die Jatropha. Die genügsame Pflanze wächst schnell, sie trägt Nüsse, die vielseitig verwendbar sind. Auf einer Fläche von über 3000 Hektar wird sie unter Einbeziehung der Bevölkerung vor Ort angebaut. Dadurch verschafft das Projekt über 500 Menschen Arbeit, mit der sie sich und ihre Familien ernähren können. Auch die Infrastruktur wird ausgebaut: In Togo entstehen Wasserbrunnen. Schulen und Krankenhäuser werden renoviert. So verbindet das Klimaschutzprojekt die Aufforstung brachliegender Flächen mit der Erweiterung der Infrastruktur und somit der Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen in der Region.

Klimaschutzprojekte unterliegen strengen Kontrollen. Der TÜV arbeitet mit Nature Office zusammen, einer Institution, die sich auf die Beratung in Sachen Klimaschutz spezialisiert hat. Das Projekt Togo ist mit einem hohen Standard belegt und wird, wie andere zertifizierte Projekte auch, eng überwacht.

Klimaneutrale Mobilität steht auf der Plakette, die es beim TÜV gibt. „Wer sein Fahrzeug nicht stehen lassen kann und somit zum Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid beiträgt, kann durch den Erwerb der Plakette gleich mehrfach Gutes tun“, sagt Uwe Schilling. ZIP

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