Mehr Statussymbol als Gebrauchsgegenstand - das erste Mobiltelefon Dynatac 8000X

Ein Backstein am Ohr

Auf Empfang: Michael Douglas mit dem Dynatac.

Michael Douglas benutzte es 1987 im Film „Wall Street“ und Ermittler Sonny Crockett trug es in der US-amerikanischen TV-Serie „Miami Vice“: das Motorola Dynatac 8000X. 1983 stellte Motorola das erste schnurlose Telefon der Welt vor.

15 Jahre Forschung und 100 Millionen Dollar hatte das Unternehmen in die Entwicklung des Apparates investiert. Heraus kam ein 800 Gramm schweres Ungetüm, das nach heutigen Maßstäben mit einer Länge von 33 Zentimetern, einer Breite von 8,9 und einer Höhe von 4,5 Zentimetern hoffnungslos überdimensioniert war. Wer es besaß, musste sich kurz fassen. Der Akku lieferte Energie für maximal eine Stunde.

Dass sich das Exemplar weltweit nur etwa 300 000-mal verkaufte, lag auch am Preis. Knapp 4000 Dollar (entspricht heute etwa 6500 Euro) kostete das Gerät, das von den Mitarbeitern des Unternehmens nur „der Schuh“ genannt wurde. Damit war das neuartige Telefon zunächst den Chefetagen vorbehalten und mehr Prestigeobjekt als Gebrauchsgegenstand.

Zwar war mobiles Telefonieren schon seit Mitte der Fünfziger Jahre möglich. Die Geräte waren aber in Nobelkarossen verbaut und kosteten etwa die Hälfte des Wagenpreises. Das Autotelefonnetz basierte noch auf der Röhrentechnik, die den ganzen Kofferraum füllte. An eine tragbare Anwendung war also mit den gegebenen technischen Möglichkeiten gar nicht zu denken.

Forschungsvorsprung

Auch wenn das Dynatac kein großer Verkaufserfolg war, läutete das Gerät den Ausbau und die Fortentwicklung der massentauglichen Mobilfunktechnik ein. Motorola gelang es aufgrund des Forschungsvorsprungs, sich ein Jahrzehnt lang die Marktführerschaft zu sichern.

Erst in den frühen 90er-Jahren verdrängte der finnische Handyproduzent Nokia die US-Amerikaner von der Spitzenposition. Mit der Einführung des digitalen D-Netzes 1989 war der Grundstein für den GSM-Standard (Global System for Mobile Communications/Globales System für mobile Kommunikation) gelegt, der heute immer noch der weltweit verbreitetste ist. Mit der Einführung von Motorolas Startac begannen Handys ab 1996 schlankere Formen anzunehmen.

Auch wenn der US-Hersteller den Markt nicht mehr dominierte, war Motorola weiter für Innovationen gut. 1999 brachte das Unternehmen das erste Tri-Band-Handy heraus, 2002 das erste UMTS-Telefon. Heute sind weltweit mehr als 2,6 Milliarden Handys im Umlauf.

In Deutschland soll nach Angaben des Branchenverbands Bitkom allein die neuste Handygeneration, die über Kamera, Musikspieler und Internetzugang verfügt, in diesem Jahr die Zehn-Millionen-Marke überschreiten.

Von Jan Baetz

Hintergrund: Die Anfänge des Mobilfunks

Die Entwicklung des Mobilfunks begann 1926 mit einem Telefondienst in Zügen der Deutschen Reichsbahn und Reichspost auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin für Reisende der ersten Klasse. Die ersten deutschlandweit verwendbaren Autotelefone gab es ab 1958 mit dem A-Netz.

Die Geräte waren wegen der für die Funktechnik verwendeten Vakuumröhren recht groß. In Österreich wurde 1974 das B-Netz eingerichtet, in dem schon automatisch vermittelt wurde. Sieben Jahre später hatte es erst 1000 Teilnehmer. 1985 wurde in Deutschland das C-Netz eingeführt. Es ermöglichte eine geringere Sendeleistung der Telefone und damit kleinere Geräte. (jbz)

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