Die Göttinger Linos GmbH stellt komplexe Optiksysteme her – und heißt bald Qioptiq

Die Bändiger des Lichts

Spezialisiert auf Optik für Industrie, Medizin und Wissenschaft: Die Göttinger Linos GmbH gehört seit 2006 zur britischen Qioptiq-Gruppe. Auf dem Bild bestücken Jens Hirscher (links) und Steffen Schneidenbach die Galvanik-Anlage. Foto: Linos/Beisert

Göttingen. Vier Jahre nach dem Kauf des Göttinger Optik-Spezialisten Linos nimmt die britische Qioptiq-Gruppe ihrer deutschen Tochter den angestammten Namen. Dass aus Linos zum 1. Juli die Qioptiq Holding GmbH und die Qioptiq Photonics GmbH & Co.KG werden, ist der letzte Akt der Eingliederung. Der Name Linos wird dann nur noch auf bestimmten Produkten stehen, der traditionsreiche Schriftzug von Spindler & Hoyer, dem Unternehmen, aus dem Linos hervorging, weitgehend verschwinden.

Mit 670 Mitarbeitern in Göttingen, Regen und München ist die ehemalige Linos GmbH ein Schwergewicht in der Qioptic-Sparte Photonic Systems, die anspruchsvolle optische Lösungen für Medizin, Forschung, Industrie, Wehrtechnik und Luftfahrt herstellt.

Linos-Linsen bändigen das Licht, wenn sie zum Beispiel die Laserstrahlen bündeln, die bei Augenoperationen eingesetzt werden. Die Optik des Unternehmens verfolgt beim Video-Röntgen den Weg eines Herzkatheders durch die Arterien, sitzt in Raketensuchköpfen ebenso wie in Weltraumsatelliten, überwacht Fertigungsprozesse in der Industrie und und ist auch bei der Halbleiterfertigung dabei.

Das Werk in Göttingen mit seinen 144 Beschäftigten wandelt sich in diesem System „immer mehr zum Entwicklungs- und Technologiestandort“, sagt Volker Brockmeyer, Vize-Präsident der Photonics-Sparte und zugleich Geschäftsführer der Qioptiq Holding. Neue Produkte und Prototypen statt Großserienproduktion ist der Weg, den die Niedersachsen einschlagen.

Verlustjahr 2009

Anders als ihre Mutter, die 2009 bei einem Umsatz von 370 Millionen Dollar (gegenwärtig 298 Mio. Euro) noch einen Gewinn erwirtschaftete, dessen Höhe Qioptiq nicht nennt, bekam Linos die Wirtschaftskrise voll zu spüren. Bei einem kräftig auf 70 Mio. Euro eingebrochenen Umsatz stand unterm Strich ein Defizit von sieben Mio. Euro, sagt Brockmeyer. Dieses Jahr soll wieder schwarze Zahlen bringen, Grund für den Optimismus sind der Aufwind in der Halbleiterbranche, die ein wichtiger Qioptiq-Kunde ist, sowie neue Produkte.

Allein in Göttingen soll der Umsatz in diesem Jahr um etwa ein Drittel auf 20 Mio. Euro klettern. Die Zahl der Beschäftigten werde voraussichtlich leicht auf 150 Mitarbeiter wachsen – die Wirtschaftskrise 2009 hatte an allen drei Linos-Standorten 30 Beschäftigte den Arbeitsplatz gekostet.

Mit einer Investition von 1,5 Mio. Euro baut der Standort Göttingen eines seiner Spezialgebiete aus: das Coating. Das komplizierte Beschichten von Linsen und Objektiven, dient unter anderem dazu, bestimmte Wellenlängen aus Licht zurückzuhalten.

2009 hatte Qioptiq die damalige Linos AG von der Börse genommen. Unter den letzten freien Aktionären, die damals beim Squeeze out aus dem Unternehmen gedrängt wurden, hat das Unternehmen nicht nur Freunde: Noch liegen rund 50 Klagen gegen die Barabfindung von 22,97 Euro je Aktie vor Gericht.

Von Barbara Will

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