Fall VW sei nur die Spitze des Eisbergs

Bärbel Höhn (Grüne): Es gibt eine Kumpanei von Herstellern und Politik

Zur Person: Bärbel Höhn (63, Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages.

Die Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages, Bärbel Höhn (Grüne), glaubt, dass neben Volkswagen auch andere Autohersteller bei den Abgaswerten manipuliert haben könnten. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) agiere scheinheilig, so Höhn im Gespräch mit unserer Zeitung.

Frau Höhn, ist der VW-Skandal die Spitze des Eisbergs?

Bärbel Höhn: Ja. Jeden Tag wird mehr bei VW enthüllt. Die Frage ist jetzt, ob nicht auch andere Automobilhersteller diese Software verwendet haben, weil bei fast allen Autos diese erhöhten Schadstoff-Werte festzustellen sind. Ich glaube, der diese Mogel-Software verkauft hat, dürfte sie auch an andere Hersteller verkauft haben.

Die Debatte über Prüfverfahren und mögliche Manipulationen gibt es schon lange. Hätten die Grünen als Umweltpartei nicht hartnäckiger sein müssen?

Höhn: Das waren wir. Wir haben zum Beispiel im Sommer die Bundesregierung danach gefragt. Da hat sie gesagt, dass ihr dies bekannt ist, aber Konzepte zur Verhinderung von Abschalteinrichtungen sich in der Praxis bislang nicht umfänglich bewährt haben. Wir sind also dran gewesen am Thema.

Minister Dobrindt sagt, die Grünen seien unanständig. Von Manipulationen habe er nichts gewusst.

Höhn: Der Minister spielt gerne den Scheinheiligen. Ich glaube, dass er damit nicht durchkommt. Die EU hat zum Beispiel vor einigen Jahren auch Deutschland aufgefordert, die Nutzung der sogenannten Abschaltvorrichtungen durch Autohersteller unter Strafe zu stellen. Nach meiner Kenntnis ist das nicht passiert. Da gibt es eine Kumpanei von Herstellern und Politik

Ist Dobrindt also kein Aufklärer?

Höhn: Diese Rolle nehme ich ihm deshalb nicht ab, weil schon lange bekannt gewesen ist, dass es Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung gibt. Warum sollten sie dann nicht auch eingesetzt werden?

Was erwarten Sie jetzt vom Minister?

Höhn: Er muss nicht nur gegen VW vorgehen. Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung muss er auch Modelle von anderen Herstellern prüfen lassen. VW hat es nur durch Zufall als erstes erwischt. Außerdem müssen endlich die unrealistischen Labormessungen bei den Auto-Emissionen durch Straßentests ersetzt werden.

Von Hagen Strauß

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