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Bahn will Züge für sechs Mrd.

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Soll ausgetauscht werden: der in die Jahre gekommene ICE 1. Siemens und Bombardier sollen die neuen Züge liefern.  Foto nh
Soll ausgetauscht werden: der in die Jahre gekommene ICE 1. Siemens und Bombardier sollen die neuen Züge liefern. Foto nh

kassel / berlin. Die Deutsche Bahn will im Sommer den größten Auftrag ihrer Geschichte erteilen. Für bis zu sechs Milliarden Euro will Europas größter Bahnbetreiber rund 300 neue Züge ordern, die ab 2015 zunächst die Intercitys (IC) sowie die auf grenzüberschreitenden Strecken verkehrenden Eurocitys (EC) ersetzen sollen. Ab 2025 sollen auch die Hochgeschwindigkeitszüge der ersten und zweiten Generation, die ICE 1 und ICE 2, erneuert werden.

Die Chancen, dass Siemens den Großauftrag erhält, stehen gut. Anfang der Woche teilte die Bahn mit, dass von nun an mit Siemens als „bevorzugtem Anbieter“ verhandelt werde. Damit ist der französische Bahntechnikrivale Alstom aus dem Rennen. Der globale Branchenprimus Bombardier, der in Kassel sein zentrales Lokleitwerk betreibt, hat sich zwar nicht direkt um den Auftrag bemüht, ist aber als Siemens-Partner bei dem Milliardenprojekt im Boot.

Wie viel vom Kuchen für den deutsch-kanadischen Konzern abfällt, sagt Bombardier nicht. In Branchenkreisen ist aber von mindestens einem Drittel des Auftragsvolumens die Rede, also von zwei Mrd. Euro oder mehr.

Das Werk Kassel mit seinen derzeit 750 Beschäftigten wird aller Voraussicht nach nicht von diesem Auftrag profitieren. Denn die Nordhessen bauen ganz vorwiegend klassische Loks vor allem für den Güterverkehr in ganz Europa. Zwar haben sie mit dem Bau eines Drittels der insgesamt 120 ICE-1-Triebköpfe sowie des aktuellen spanischen Superzuges AVE große Erfahrung mit Hochgeschwindigkeits-Zugmaschinen. Aber Bombardier-Sprecher Heiner Spannuth sieht bei einem künftigen Bahn-Großauftrag vor allem die Werke Hennigsdorf bei Berlin, Aachen sowie Görlitz in Sachsen am Zug. „Ich denke, dass Kassel nicht involviert ist“, sagte er weiter.

Die nordhessischen Lokprofis muss das aber nicht grämen. Zwar leiden unter der Wirtschaftskrise vor allem die Frachtsparten der Bahngesellschaften und damit die Kasseler Lokgeschäfte. Aber das Traditionswerk und der Schwesterstandort im italienischen Vado Ligure haben nach Ansicht von Branchenkennern hervorragende Aussichten. Wenn die Konjunktur wieder anziehe, werde auch die Nachfrage nach klassischen Loks aus Kassel steigen. Und in diesem Bereich ist Bombardier europaweit unangefochtener Marktführer.

Von José Pinto

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