Deutsche Aktivitäten werden nicht übernommen

Bahn zahlt 2,8 Mrd. für britische Arriva

Bahnchef Rüdiger Grube. Foto: dpa

Berlin/Göttingen. Die Deutsche Bahn AG steht vor dem teuersten Kauf ihrer Geschichte: Sie einigte sich mit dem britischen Verkehrsunternehmen Arriva auf die Übernahme für insgesamt 2,8 Milliarden Euro, wie Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag mitteilte.

Er verspricht sich davon eine bessere Wettbewerbsposition im europäischen Transportmarkt. Er versicherte, der Schuldenabbau gehe weiter, und die Verbesserung des Services in Deutschland werde nicht leiden. Grube hatte am Vorabend grünes Licht vom Aufsichtsrat des Staatsunternehmens bekommen, und das britische Unternehmen teilte gestern mit, es stimme der Übernahme zu. Arriva-Chef David Martin deutete an, dass er keine weiteren Angebote erwarte. Als Mitbieter war die französische Staatsbahn SNCF im Gespräch, die aber bislang kein Angebot vorgelegt hat.

Arriva setzte 2009 mit 42 300 Beschäftigten rund 3,6 Milliarden Euro in zwölf europäischen Ländern um. Zum Vergleich: Die Deutsche Bahn machte mit 240 000 Mitarbeitern 33 Mrd. Euro Umsatz. Auch in Deutschland ist Arriva aktiv - unter anderem als Hauptgesellschafter der niedersächsischen Regionalzug-Gesellschaft Metronom, die auch die Strecke Göttingen-Hannover-Uelzen betreibt.

Metronom-Spitze abgesetzt

Deren Geschäftsführer Henning Weize und Carsten Hein wurden noch am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung abgelöst. Zu den Gründen wollte sich Metronom nicht äußern. Jedoch dürfte die Personalie mit der geplanten Übernahme der Arriva durch die Deutsche Bahn stehen. Denn die wird sich aus kartellrechtlichen Gründen aller Voraussicht nach von den Schienenaktivitäten der Briten in Deutschland trennen müssen. Dazu gehört auch Metronom.

Als Übernahme-Interessent gilt auch die Benex-Holding, die Obergesellschaft der Hamburger Personennahverkehrsaktivitäten, die bereits an Metronom beteiligt ist. Sie ist bundesweit auf Expansionskurs. Unter anderem betreibt sie den Stadtbusverkehr in Fulda. Zwischen ihr und der abgesetzten Metronom-Spitze soll es Differenzen über die verhältnismäßig guten Metronom-Gehälter und das Vertriebskonzept gegeben haben.

Von José Pinto

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