Millionen haben Anspruch auf eine Mutter-Kind-Kur, aber nur wenige nehmen sie in Anspruch

Balsam für Körper und Seele

Ausreichend Schlaf, frische Luft, Gymnastik, medizinische Anwendungen, psychologische Begleitung – für viele Mütter hört sich das in bestimmten Lebensphasen wie ein Traum an. Eine Mutter-Kind-Kur könnte den Traum näher bringen.

Einen Anspruch darauf hat man, wenn sich eine seelische oder körperliche Überlastung eingestellt hat. Doch die wenigsten wissen das: „2,1 Millionen Mütter hätten gemäß ihrer gesundheitlichen Situation sofort Anspruch auf eine Kur, aber nur fünf Prozent machen eine“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks in Berlin. Wer noch diesen Sommer auf Erholungskurs gehen will, muss jetzt den Antrag stellen. Art der Kur: Eine Mutter-Kind-Kur dauert drei Wochen. Die Mütter leben in dieser Zeit zusammen mit ihren Kindern – maximal 14 Jahre alt – in einer Kureinrichtung. Es gibt auch reine Mutter-Kuren für Mütter mit älteren Kindern. In Deutschland gibt es im Müttergenesungswerk 77 anerkannte Einrichtungen für Mütter mit Kindern und sieben reine Müttereinrichtungen. Daneben gibt es Kurhäuser von privaten Trägern. Ein solcher Genesungsaufenthalt wird von der Krankenkasse bezahlt. Die Zuzahlung beträgt zehn Euro pro Tag für die Mutter. Für die Freizeit sollte man Taschengeld einplanen. Voraussetzung: Bei einer Mutter-Kind-Kur geht es allein um den gesundheitlichen Zustand der Mutter. Meist kommen mehrere Beschwerden zusammen, die sich aus den Belastungen des Familienalltags und der Mutterrolle ergeben. Dazu gehören Rückenprobleme, Allergien oder Migräne sowie psychische Belastungen wie Depressionen, Schlafstörungen und Angstzustände. Eine Auszeit von Familie und Alltag muss medizinisch angezeigt sein. Beratung: Erste Anlaufstellen sind die Beratungsstellen im Müttergenesungswerk bei den Wohlfahrtsverbänden (zum Beispiel: Caritas, Diakonie oder Rotes Kreuz). Ebenso kann der Hausarzt Ansprechpartner sein. Der Mediziner sollte mit der gesundheitlichen Situation der Patientin vertraut sein und einem Kuraufenthalt positiv gegenüber stehen. „Die Antragstellung ist eine Leistung, die von der Kasse vergütet wird“, so Heidrun Holstein von der Unabhängigen Patientenberatung. Man bittet den Arzt also nicht um einen Gefallen. Antrag: „Der Hauptgrund für Ablehnungen sind fehlende Formalien in Anträgen“, sagt Holstein. „Es muss deutlich werden, dass ambulante Maßnahmen am Wohnort nicht ausreichen und dass die Kur medizinisch notwendig ist“. Auch die persönlichen Lebensumstände – wie finanzielle Sorgen, Scheidung, Arbeitslosigkeit, fehlende Kinderbetreuung – sollte man erwähnen.

Lieber zu viel schreiben als zu wenig, heißt die Faustregel. „Vorteilhaft ist es, einen Facharzt aufzusuchen, der die Beschwerden diagnostiziert“, sagt die Patientenberaterin. Das macht bei den Kassen mehr Eindruck. Die Antragsbearbeitung dauert drei bis sechs Wochen. Widerspruch: Seit der Gesundheitsreform 2007 ist der Bereich der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation zur Pflichtleistung der Kassen geworden. Damit sollen Patienten einen besseren Stand haben. In der Praxis liegt die derzeitige Ablehnungsquote von Anträgen aber bei 31 Prozent.

„Davon sollte man sich nicht entmutigen lassen“, rät Anne Schilling vom Müttergenesungswerk. Wird ein Antrag abgelehnt, hat man vier Wochen Zeit, Widerspruch einzulegen. Die Beratungsstellen unterstützen dabei nach Kräften. Die Mühe lohnt sich: 48 Prozent der Widersprüche sind erfolgreich, sagt Schilling. (bia)

Von Annette Jäger

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